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Wissenschaftliche Ausstellung Experimentelle Phonetik I. Allgemeine Mechanik und Akustik des menschlichenStimmorganes

Full text: III. Internationaler Laryngo-Rhinologen-Kongress (Public Domain)

von dem harten Gaumen, der die Trennungswand 
zwischen der Mund- und Nasenhöhle bildet, weichwandig. 
Der Reichtum an Muskeln in ihren Wänden, von denen 
die Zunge am Mundboden und die Lippenmuskeln die 
wichtigsten sind, gestattet eine hochgradige willkürliche 
Veränderlichkeit der Mundhöhle und des Mundrachens 
in Form und Raumgehalt. Diese Veränderlichkeit macht 
es möglich, der durch die Stimmlippen in Schwingungen 
versetzten tönenden Ausatmungsluft die verschiedene 
Klangfarbe zu geben, wie sie in den Vokalen i, e, o, u 
und ihren Kombinationen zum Ausdruck kommt. Bei 
diesen, den reinen Vokalen, ist in der Regel die obere 
Abteilung durch die Gaumenklappe mehr oder weniger 
abgeschlossen. Dagegen bleibt bei den sogenannten 
Halb-Vokalen: den m-, n- und ng-Lauten die Gaumen- 
klappe geöffnet, so dass der tönende Strom der Aus- 
atmungsluft seinen Weg durch die Nase nehmen kann 
und hier die diesen Lauten eigentümliche Klangfarbe 
erhält. Dabei ist aber eine etwaige Resonanz der Neben- 
höhlen der Nase schon aus anatomischen Gründen wegen 
der Kleinheit und Verborgenheit ihrer Mündungen völlig 
ausgeschlossen. Die eigentlichen Konsonanten werden 
im allgemeinen auch nur bei geschlossener Gaumen- 
klappe gebildet. . Sie sind Geräusche, welche der Strom 
der Ausatmungsluft in der unteren Abteilung des An- 
satzrohres durch Verschluss oder Verengerung bestimmter 
Stellen — der Artikulationsstellen — erzeugt. So entstehen 
die Lippenlaute an den Lippen, die Zungenlaute durch An- 
lehnung der Zunge an die Schneidezähne und den Gaumen, 
die Rachen- und Gaumenlaute durch Verengerung des 
Racheneingangs. Während die Physiologie der Sprache 
für die reinen Vokale den Durchgang der Ausatmungs- 
luft durch die Nasenhöhle ausschliesst, wird derselbe in 
Kunstgesange in gewissem Grade zur Veredlung des 
Klanges angestrebt. Dabei ist aber die Beteiligung der 
Nasenhöhle willkürlich so fein bemessen, dass ein wirk- 
licher Nasenklang nicht zu Stande kommt. Die Ton- 
höhe der Stimme wird lediglich durch die willkürlich 
sehr veränderliche Spannung der Stimmlippen erzeugt, 
Die Stimmlippen sind Lippen im wahren Sinne des Wortes 
und unterscheiden sich in ihrer Stimmstellungz von 
unseren Mundlippen nur durch ihre Dimensionen und
	        
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