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Full text : Können die in den heutigen großstädtischen Wohnverhältnissen liegenden Mängel und Schäden behoben werden? / Weiss, Albert (Public Domain)

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Abb. 235 bis 238. Spülküchenanlage in den Gebäuden der Gartenstadt Margarethenhöhe

Eine ganz besonders zweckentsprechende Zusammenlegung
jer Waschküche, der Spülküche und des Baderaums hat bei
Jen in den Abb. 88 ff. dargestellten, von Professor Metzendorf
yeschaffenen Einzelhäusern der Gartenstadt Margarethenhöhe zu
Essen stattgefunden.
Die Gestaltung dieses Raums veranschaulichen die Abb. 235
»is 238*). Professor Metzendorf schreibt uns dazu: „Wir
jaben jeder Wohnküche eine Spülküche angegliedert, damit
alle Arbeiten, die mit Wasserdunst und üblen Gerüchen verbunden
 sind, in der Spülküche stattfinden können. In dieser
st auch eine Badewanne aufgestellt, über welcher ein Auslauf
von kaltem ‚und warmem Wasser angeordnet ist. Die Badewanne
 hat eine Holzplatte, die gewöhnlich als Tischplatte beautzt
 wird. In der Spülküche befindet sich ferner ein Wäschezochapparat.
 Von dem Ausbau von Waschküchen im Keller ist
Abstand genommen. Die von uns gewählte Anordnung ist für
kleine Familien sehr praktisch, da die Hausfrau bequem waschen.
kochen und die Kinder beaufsichtigen kann, was bei der Anıage
 von Waschküchen im Keller nicht der Fall ist. Der
Wäschekochapparat hat einen Aufsatz, in dem die ganzen
Wasserdünste abgesaugt werden können. Ueber dem Spülstein
befindet sich ein Zapfhahn für kaltes und warmes Wasser,
Jer Herd ist so eingerichtet, daß durch eine Sommer- und
Winterklappe die. Wärmeabgase entweder direkt in den Kamin
yeleitet oder dem nebenanstoßenden Kachelofen zugeführt
werden können. Durch diese Vorrichtung ist es möglich, die
Räume im Früh- und Spätjahr durch die Abgase des Herds
zu heizen. Bei ganz kaltem Wetter tritt eine zweite Feuerung
im Kachelofen in Tätigkeit. Die Räume des Obergeschosses
können mitgeheizt werden, die Wärme wird durch Blechkanäle
ı.n die Räume geführt.“
Dient der Keller nur als Aufbewahrungsgelaß, dann erhält
ar aus praktischen Gründen Zugang nicht im Innern, sondern
zon außen, vom Garten. Hier können dann die Gartenfrüchte
‚eichter eingebracht werden und die bei der Lagerung dieser
Früchte immer auftretenden Gerüche werden den Innenräumen
jerngehalten. Als Zugang genügt eine steile Holztreppe ein-'achster
 Art ohne Setzstufen, mit entsprechendem Karbolineumanstrich
 zum Schutz gegen das Stocken. Wird bei größeren
Wohnungen eine Waschküche im Keller angeordnet und werden
nehr Kellerräume geschaffen, dann können auch hierbei die
‚etzt üblichen teueren massiven Kellertreppen entbehrt werden.
Für den geringen Verkehr genügt auf alle Fälle eine einfache
Holztreppe in der vorgenannten Ausführung.
9. Die Einschränkung der Aufwendungen für den Dachstuhl.

Unsre Dachstühle sind in der Konstruktion durchweg
zu aufwendig hergestellt. Die Kosten für die Dachhölzer beziffern
 sich beim Kleinbau, wie wir aus verschiedenen Beispielen
festgestellt haben, oft auf 7%, und mehr der Gesamtkosten.
Der große Holzreichtum in früheren Zeiten brachte die zum

A Die Ahhildnngen sind tom Professar Metzendorf überlassen worden.

Teil unglaubliche Holzverschwendung bei den Dachstühlen, und
zon diesem Zopf hat man sich bei uns bisher‘noch nicht be-'reien
 können. Man verschwendet das Holz mehr und mehr
ınd schraubt dadurch auch die Einzelpreise immer höher.
Die hohen unausgenützten Dachstühle leisten überdies, wie
lie großen unnötigen Keller, lediglich der Unordnung Vorschub.
Jeder Gebrauchsgegenstand, wenn er schadhaft wird und noch
zo minderwertig ist, wird auf diesem Boden gelagert. Gegen-;tände,
 die man für wenig Geld und geringe Mühe wieder nutzjar
 machen könnte, werden aus Bequemlichkeit gleichfalls dort
zufgestapelt. Welch unglaublicher und stets feuergefährlicher
Nirrwarr tritt den Besuchern solcher Bodenräume selbst bei
Jen besten Miet- und Dienstgebäuden entgegen! Fort mit
Jiesen unnötigen Boden- und Kellerräumen, dann wird man die
3ewohner zwingen, jeden Gegenstand bis zum Ende zu benutzen
ınd am Schluß dann auch noch zweckentsprechend, sei es
Jurch Verbrennen oder Verkauf usw. zu verwerten, man wird
Jie Bewohner zur Ordnung erziehen. Kine entsprechende
;rdentliche Kammer würde überdies auch als Trockenboden und
Aufbewahrungsraum der unbedingt nötigen Geräte mehr Dienste
‚eisten, als die stets staubigen Bodenräume.
In England sind die Dachräume soweit angängig überall
%är Wohnzwecke ausgenutzt; der übrige Dachboden ‚hat ledigich
 Balkenlage aus Bohlen mit einigen Laufdielen, auch der
yanze Dachstuhl besteht aus Bohlenstücken, die Konstruktion
‚st dabei auf das unbedingt Notwendigste eingeschränkt. So
sind nicht allein alle Kleinhäuser, sondern auch große Landhäuser
 — wir sahen solche in Chislehurst, die 125 000 M. und
mehr kosteten — endlich auch sehr große ganz neue öffentliche
 Gebäude, u. a. das von H. Percy Adams, einem der besten
'etzigen englischen Architekten, entworfene King Edward-Sana-:orium
 in Midhurst und die große Royal Infirmary zu Newsastle
 u. T. gebaut*).
“ Diese Ausführungsart ist geeignet, auch bei uns zu einer
wesentlichen Verbilligung des Kleinhauses beizutragen. Aber
zuch bei höheren Gebäuden würde sich diese Ausführungsart
‚us wirtschaftlichen Gründen empfehlen, zumal dadurch die
Jebäudehöhen an den Straßen wesentlich gedrückt — um das
»berste Geschoß, das dann Dachgeschoß ist — und auch das
ırchitektonische Bild — gegenüber den jetzt einmal hohen und
las andere mal weniger hohen oder gar flachen Dächern —
ıur gewinnen könnte, also das erreicht wird, was unter andrem
Ir. Keller und Ph. Nitze in ihren Reformvorschlägen**) fordern.
Architekt H. Wagner (Bremen) hat in einer genauen, mit Zeichnungen
 belegten Berechnung nachgewiesen***), daß bei einem
Zinfamilienhaus von rund 46 qm bebauter Fläche — das sind
ıngefähr die im AbschnittI in den Abb. 76 bis 79 dargestellten
Jebäude — nach dieser englischen Bauweise gegenüber der bei
ans üblichen. bei dem Verbandbolz der Balkenlagen eine Ein-*)

 Hinsichtlich der Konstruktion der englischen Reihenhäuser vgl. u. 8
jen Aufsatz von Oskar Delisle im Zentralblatt der Bauverwaltung 1900 Nr. 91
**) Groß-Berlins bauliche Zukunft.
*k*\ Zaitachrift für Wohnungswesen 9. Jahre. Nr. 7ff.
            
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