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Genesis 3. Eklektizismus und Tradition

Full text: Alfred Messel / Behrendt, Walter Curt (Public Domain)

zwei weitere Säle für die Architekturteile kleinasiatischer Hellenenbauten und für die 
Kunstwerke aus Milet. An den beiden Längsseiten des Forums ziehen sich die 
schmalen Flügelbauten für die deutschen und vorderasiatischen Sammlungen hin, 
deren ernste einfache Fronten durch flache kannelierte Pilastervorlagen gegliedert 
sind, zwischen denen die hohen, rund abschließenden Fenster liegen. Die vierte Seite 
nach dem Kupfergraben wird von einer niedrigen Säulenhalle begrenzt, unter der 
links der Haupteingang zu den Sammlungen des Deutschen Museums liegt. Die 
Kolonnade erinnert in ihrer Form und in ihren Abmessungen an die niedrigen Durch- 
gänge zu beiden Seiten des Brandenburger T’ors und erfüllt wie dort die Funktion, 
durch Kontrastwirkung den Maßstab zu steigern. Sie ist als breitgelagerte Horizontale 
zwischen die Fronten der Flügeltrakte geschoben, die mit starker und eindringlicher 
Betonung vertikaler Dominanten gegliedert sind. Sie erhalten durch die wuchtigen 
Dreiviertelsäulen dorischer Ordnung einen monumentalen Rhythmus, dessen sonorer 
Klang von dem zarten Schattenspiel der Säulenkannelierungen leise akkompagniert 
wird. Selbst die Detailausbildung ist ganz auf die Vertikaltendenz eingestellt; 
die Laibungen der hohen, bogenförmig abgeschlossenen Erdgeschoßfenster sind 
durch rauhe Quaderkonsolen, die ihre Sohlbänke tragen, bis zum Sockel herabgeführt, 
und das niedrige, ohne Architrav gebildete Hauptgesims ruht unmittelbar auf den 
Säulenkapitälen, um die Horizontallinie nach Möglichkeit einzuschränken. In den 
Flügelbauten sind die Kunstsammlungen so verteilt, daß der linke im Anschluß an 
das Kaiser Friedrich-Museum zur Aufstellung deutscher Altertümer dienen, der rechte 
die Sammlungen kleinasiatischer Kunst aufnehmen soll, die der ägyptischen Abteilung 
des Neuen Museums angegliedert und zum Teil noch in einem eingeschossigen, am 
Wasser angelegten Flügel untergebracht werden. Das Deutsche Museum enthält im 
Erdgeschoß in paralleler Anordnung Säle für die Originale und Gipsabgüsse roma- 
nischer und gotischer Kunst, in einem kryptaartig ausgebauten Untergeschoß die alt- 
germanische Kunst von den Anfängen bis zur Steinzeit und im Obergeschoß die 
Werke der Renaissance und Barockzeit. Für die architektonische Ausbildung der 
Innenräume dieses Bauteiles hat Messel selbst noch Vorschläge gemacht. Sie ent- 
halten mancherlei Problematisches und er hat sie wohl selbst, wie auch Einzelheiten 
der Grundrißdisposition kaum als endgültige Lösung angesehen; er hätte sonst nicht 
die Zeit von zwei Jahren noch gefordert, um die jetzt vorliegenden Pläne baureif zu 
machen. Der Grundriß zeigt in den Abmessungen des Vestibüls, der Garderobe und 
der Haupttreppe eine unerwartete Engräumigkeit, wo doch die Würde des Hauses 
dem Baumeister die Maßzahlen des Grundrisses diktieren müßte. In anderen Teilen 
ist eine Vorliebe für malerische Raumgruppierungen und Interieurwirkungen zu 
bemerken, die vielleicht in Erinnerung an Hoffmanns Märkisches Museum entstanden 
ist, aber mit der klassisch strengen Säulen- und Pilasterarchitektur der Fronten in 
gewissem Widerspruch steht. Auch der Anschluß der rückwärtigen Baugruppe an 
das Halbrund der Nationalgalerie ist in Messels Projekt noch ungelöst geblieben. 
Solchen Unzulänglichkeiten des Grundrisses steht der große Wurf der Fassade gegen- 
über, in deren Erfindung sich der Messelsche Genius, als ob er das vorzeitige Schicksal 
seines Kindes mildern wollte, gleichsam selbst offenbart. In der Säulenarchitektur der
	        
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