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Full text: Die Nationalgalerie zu Berlin / Scheffler, Karl (Public Domain)

„Drei Männer in einer Landschaft“ 
(Nr. 1065) und vor allem die 
„Lebensalter“ (Nr.960). In diesen 
nach Abschluß der Neapeler 
Fresken geschaffenen Werken tritt 
der romantische Schwung mehr 
zurück zugunsten eines Systems, 
eines Prinzips. Doch ohne daß 
die künstlerische Unmittelbarkeit 
eigentlich aufgegeben würde. 
Diese Unmittelbarkeit selbst wird 
gewissermaßen systematisiert. Der 
Stoff ist nun noch gleichgültiger 
geworden. Die Ruderer, die Netz- 
träger,der heilige Martin handelten 
wenigstens noch irgendwie; die 
Gestalten aber in den idealen 
Orangenhainen sind von jener 
göttlichen Trägheit der Blumen. 
Sie stehen da, sitzen oder brechen 
sich Früchte. Daß es ihnen zu 
symbolischen Handlungen wird, 
wie in den „Lebensaltern“, wo ein 
Knabe die Frucht erhascht, die 
dem Greis entglitten ist, während 
der Mann im Vollgenuß des Lebens 
die Frucht vom Zweige bricht, 
könnte stutzig machen. Aber 
dieser halb nazarenische Sym- 
bolismus ist nur nebenbei. Gemalt 
sind diese Bilder — auch der 
grünblau dunkelnde „Heilige Georg als Drachentöter“ (Nr.776), der die Züge des Künstlers 
trägt und somit auch ein wenig symbolisch gemeint ist, gehört in seiner hölzernen Anmut 
und starren Bewegungsfülle zu ihnen — um ihrer gobelinartigen Freskowirkung, um des 
Rhythmus des Gliederspiels, um der Farbenharmonien willen, um der Synthese willen, die 
das Leben auf das ganz Typische, auf das Gesetzmäßige und Urtektonische zurückführt. Der 
Raffaelitismus und Praeraffaelitismus dieser Werke ist nur noch Mittel eines permanent 
gewordenen, visionären Impressionismus; er ist modern grotesk geworden. 
Es steht Marees mit seinen Bildern in der Nationalgalerie als einer der großen Unersättlichen 
vor dem Betrachter, die beides wollen: den Gedanken des Lebens und das naive Gefühl des 
Lebens, das Bewußte und das Unbewußte. Es weist seine Kunst, mehr als die seiner Genossen, 
ins zwanzigste Jahrhundert hinüber. Seine geistigen Schüler rüsten sich jetzt erst, aus dieser 
modernen Renaissance der Antike, aus dieser neuen klassischen Erhöhung des Lebens, die 
künstlerischen Konsequenzen in der Malerei und der Plastik zu ziehen. 
Hans von Marees, Der heilige Georg. Copyright by Georg von Marges, Halle S.
	        
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