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Full text: Die Nationalgalerie zu Berlin / Scheffler, Karl (Public Domain)

fiedelnden Tod später erst 
hinzugefügt. Jedenfalls ist 
es etwas Allegorisches, was 
in erster Linie zum Betrach- 
ter spricht. Das Malerische 
ist in einer merkwürdig 
naturalistischen Weise er- 
ledigt worden. Vergleicht 
man diese Arbeit mit dem 
Bildnis des BildhauersKopf, 
so erkenntman, daß Böcklin 
in der Zwischenzeit ent- 
schieden malen gelernt hat; 
nur ist es, als hätte er es 
auszweiterund dritter Hand 
gelernt. Diese Malereiweist 
darauf hin, daß Böcklin 
in den vorangegangenen 
Jahren in München und 
Weimar in einer Atelier- 
atmosphäre gelebt hat. 
Die Malerei ist mühsam, 
mit weißen Lichtern und 
vielen Lasuren zur Wirkung 
emporgetrieben. Die Ge- 
danken des Malers haben 
ganz und gar nicht „in der 
Spitze des Werkzeugs“ 
gesessen. 
Ein viel drastischeres Bei- 
spiel, wie Böcklins Bilder- 
kunst sich in den Dienst von 
Begriffen stellte, ist das sieben Jahre später noch entstandene Porträt von Frau Fiedler (Nr. 834). 
Dort ist von malerischer Einheitlichkeit im Sinne der alten Meister überhaupt nicht mehr 
die Rede. Es kommt die charakteristische Art des späten Böcklin schon zum Vorschein, alle 
Gegenstände einzeln zu malen, sie nebeneinander zu stellen und die Idee dieses Nebeneinanders 
allegorisch wirken zu lassen. Es ist eine junge Frau dargestellt: darum hat Böcklin ihr einen 
Veilchenstrauß in die Hand gegeben und im Hintergrund den Frühling gemalt. Für den 
Augenblick machen Böcklins Bilder immer wieder betroffen, weil das Unkünstlerische mit einer 
ganz außerordentlichen persönlichen Kraft getan ist. So geht es auch vor diesem altdeutsch 
primitiven Bilde. Doch spürt man dann von Minute zu Minute peinlicher, wie sehr diesem 
Werk die einheitliche Tonigkeit fehlt, daß die Natur hautlos ist, daß es keine Luft, keine 
Atmosphäre gibt und daß alles Beiwerk aus dem Kopf gemalt ist. Es sind da Gesicht und 
Hände, Bäume und Wolken, Pelz und Marmor: doch alles ist, mit viel Weiß und mit farblosen 
Mit Genehmigung der Phot. Union. München.
	        
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