Erscheinungen. Er verarbeitete
ohne alles Pathos und mit
einem Fleiß, der dem Menzels
verwandt ist, die Anregungen
Chodowieckis und Schadows
in einer neuen bürgerlichen
Weise, und er wurde auch ein
höchst fruchtbarer Chronikeur
der Regierungszeit Friedrich
Wilhelms des Vierten. In
seinem Lebenswerk ziehen, in
Bild und Zeichnung, die Fürst-
lichkeiten jener Epoche an
Einem vorüber, bekannte Ge-
stalten des preußischen Adels
und Männer und Frauen der
Kunst und Wissenschaft; man
erblickt porträtähnliche Dar-
stellungen von Rennpferden
undrassigen Hunden, findetdie
Straßenprospekte jener Jahr-
zehnte und das militärisch-bür-
gerliche Treiben der Residenz-
stadt, und lernt die Kostüme
und den Gesichtsschnitt der
Berliner zwischen 1820 und
1860 kennen. Krüger hat den
Kaiser Nikolaus von Rußland
gemalt und gezeichnet, König
Friedrich Wilhelm den Vierten
und fast alle preußischen
Prinzen und Prinzessinen jener
Zeit, er zeigt uns die Generäle,
Hauptleute, Feldwebel und Gemeinen, die Malerkollegen und Aristokraten, Henriette Sonntag,
die Krelinger, die Taglioni auf verschiedenen Altersstufen, den jungen Bismarck, die Fürstin
Liegnitz, Rauch, Rellstab, den Fürsten Radziwill, Schinkel, Stüler, Cornelius, den Grafen Redern
und den Dichter Tieck, alte Militärs und Schloßbeamte, Pferdejungen, Jokeys, Stallknechte,
Negerknaben und fremde Gesandtschaften, junge Mädchen mit Schutenhüten, Krinolinen, großen
Schleifen und Ringellocken, er malt Vatermörder, ausgeschnittene Kleider, Schniepelröcke und
geschweifte Zylinder, Berliner Mädels, würdige alte Damen in Hauben und Rüschenkleidern
und Spreewälder Ammen mit ihren Babys, Jagdgesellschaften und das Renngetriebe in
Tempelhof, Postillone, Husaren, Bauern, Aktstudien, Uniformskizzen und dann immer wieder
Bildnisse von Allen, die irgendwie Lust hatten sich porträtieren zu lassen, Und fast jedesWerk aus
so reichem Stoffkreis ein kleines Meisterstück handwerklicher Beherrschung. Die Nationalgalerie
Franz Krüger, Die Fürstin von Liegnitz. Aquarell.
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