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König Friedrich I.

Full text: Die Kunst im Dienste der Staats-Idee / Malkowsky, Georg (Public Domain)

und Meiereien nicht verleugnen konnten, so tritt mit dem ersten Könige der planvolle Städte— 
bau in seine Kechte. Das Muster der Holländischen Grachten war hier nur in der Nähe des 
Spreelaufes zu verwenden. Die Ausdehnung des Weichbildes — die Einwohnerzahl vermehrte 
sich unter Friedrich J. um das Dreifache — nahm organische Jormen an, den Bedürfnissen 
entsprechend bildeten sich bestimmte Derkehrswege, denen sich die Bebauung des Geländes in 
möglichst geradlinigen Straßenzügen anzuschließen hatte. Die rechtwinklige Durchquerung 
mußte notwendig zu der Kegelmäßigkeit der Anlage Italienischer Kenaissance-Städte führen. 
HNach Westen begann sich die Lindenallee in den Tiergarten hineinzuschieben, im Süden aber 
entstand quadratisch gegliedert als natürliche Jortsetzung des nördlichen Dorotheenviertels die 
Friedrichstadt, ebenso wie die Königsvorstadt im Osten die neue Machtstellung Preußens ver— 
körpernd. EAn die Stelle der Derleihung von Stadtlehen an höflinge war die planmäßige 
Erschließung des Geländes, der eigentliche Städtebau, getreten. Bis zum Jahre 1709 hatte 
Berlin eigentlich aus vier Städten bestanden, Berlin, Kölln, der Dorotheen- und der Friedrich-— 
stadt, jede mit einer eigenen Verwaltung. Dazu kamen die Kolonien, denen eine gesonderte 
Derfassung mit selbständigen Privilegien eingeräumt war. Nur die Straßenpolizei war der 
sandesherrlichen Gewalt vorbehalten und wurde in ihrem Namen von einem Gouverneur aus— 
geübt. Durch das Edikt vom 17. Januar 1709 „von Kombinierung der rathäuslichen Kollegien“ 
wurde eine eigentliche DPerwaltung unter Wahrung der Vorrechte der Kolonien geschaffen. Die 
Zaupolizei blieb, der Kunstpolitik der Hohenzollern entsprechend,. an erster Stelle eine Königliche 
Prärodative. 
Dem SGrundsatze folgend, daß aus der Basis der kirchlichen Gemeinschaft die politische 
Zusammengehörigkeit erwachse, fing die Parochie an, die gesamte Bautätigkeit zu beeinflussen. 
Das Gotteshaus wurde zum architektonischen Wahrzeichen der neuen sich zusammenschließenden 
Bezirke. Eine wie hervorragende Kolle dabei die Ansiedelungspolitik des Großen Kurfürsten 
und seines Nachfolgers spielte, erhellt aus der Mitgliederzahl der Kolonie, die bereits 16099 
nicht weniger als 5082 Seelen betrug, nahezu ein Diertel der gesamten Bevölkerung. Huf 
die 1678 eingeweihte Dorotheenstädtische Kirche folgten 1694 und 95 die Grundsteinlegungen 
der Couisenstädtischen und der Parochialkirche. 1700 wurde in der Kommandantenstraße eine 
Französische Kapelle und im Keithaus auf dem Werder eine Doppelkirche für die Französische 
und die Deutsche Gemeinde eingerichtet. Die Sophienkirche, die Garnisonkirche, die Waisenhaus— 
kirche, vor allem auf dem späteren Gendarmenmarkt die Neue Kirche von Grünberg und der 
Französische Dom von Cayart und Quesnay wurden sämtlich im Anfange des XVIII. Jahr- 
hunderts gebaut und in ihnen der Charakter des protestantischen Gotteshauses als Dersamm- 
lungsort der Gemeinde behufs Anhörung der Liturgie und der Predigt festgelegt. 
Hatte bis zum Jahre 16095 der Einfluß Nehrings in der Privatarchitektur vorgeherrscht 
— er hatte das Danckelmannsche Palais, das spätere Fürstenhaus und das Derfflingersche Haus 
am Köllnischen Fischmarkt gebaut — so trat nach seinem Tode die Tätigkeit der Grünberg, 
de Bodt, Schlüter und ECosander von Goethe in den Dordergrund. Mit de Bodt hielt der 
strengere Französische Stil seinen Einzug, wie er in den Gebäudegruppen an der Stechbahn, 
im Kademacherschen Hause in der Klosterstraße, in dem jetzigen Palais des Prinzen Leopold 
(vielfach umgebaut) und in dem Schwerinschen Hause am Molkenmarkt charakteristische Spuren 
hinterließ. Um eine trockene Aufzählung der Privatbauten während der Kegierung des ersten
	        
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