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Wilhelm der Große

Volltext: Die Kunst im Dienste der Staats-Idee / Malkowsky, Georg (Public Domain)

Ausstellung gelangen sollte.“ Dagegen wählte er selbst die zweiunddreißig Feldherren aus, deren 
Statuen in der Kuhmeshalle einen Platz finden sollten. Dem Freiherrn von Stein wollte er ein 
Denkmal setzen, „um den Dank, welchen Er und Sein Haus diesem Staatsmanne schulde, zu 
bethätigen“ — dem Grafen Wrangel, „damit auch die späteste Nachwelt Kenntnis von Ihren 
Derdiensten und von meiner Anerkennung behalte.“ Als ein Komitee die Erlaubnis nachsuchte, 
Kobert Wilms eine Büste zu errichten, schrieb der Kaiser auf das Gesuch: „Die Erlaubnis ertheile 
ich mit Freuden, da ich dem Verstorbenen selbst so viel verdanke“. 
Der Wille zur Kunst erwuchs in König Wilhelm aus den Empfindungen der Pietät und 
der Dankbarkeit. Das Andenken an seine Eltern, an seinen Bruder, der Großes gewollt hatte, 
sollte erhalten, den Genossen in guten und bösen Tagen, wo möglich noch bei Lebzeiten, eine Freude 
und Anerkennung zuteil werden. Ihm genügte die wachsende Liebe seines Dolkes, die in Jubel 
ausbrach, wenn er sich täglich zu einer bestimmten Stunde an dem historischen Eckfenster seines 
Palais zeigte, die ZErinnerung an seine Mitarbeiter mußte geweckt und erhalten werden. Der 
historische Sinn des Kaisers schärfte seinen Blick für die geschichtlichen Zusammenhänge, die ihm 
die Dergangenheit als Vorbereitung der Gegenwart darstellte. Was Pflichtgefühl und Gott— 
dertrauen ihn Gewaltiges zu leisten befähigt hatten, war ihm nur die Dollendung des von seinen 
Dorfahren Geplanten. Daß er selbst in seiner schlichten Größe der Dollender war, kam ihm gar 
nicht zum Bewußtsein. „Wiederholt hat sich im Laufe der Weltgeschichte bewahrheitet, daß, wenn 
eine Nation ihre letzten Kräfte einsetzt, um ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu schützen, alle 
Febiete des öffentlichen Cebens von der Bewegung ergriffen und befruchtet werden; auch lehrt 
uns die Erfahrung, daß groß angelegte, vorbildlich wirkende herrscher selbst auf RKichtungen 
einen bestimmenden Einfluß ausüben, welche ihrer unmittelbaren Fürsorge entrückt zu sein 
scheinen.“ Die Kunstförderung des Großen Kaisers mußte nicht gewollt, sondern naturnot- 
wendig eine politische werden, weil der Aufschwung des nationalen Gedankens zum künst— 
lerischen Ausdruck drüngte. Es ist eine DBerheißung für die Zukunft, wenn das Bewußtsein, daß 
man sich der errungenen Machtstellung nur durch kulturelle Mittel würdig zeigen könne, sich 
weniger in ruhmredigen Monumenten, als in prächtigen Museumbauten äußerte. Es galt, 
kKulturschätze zu sammeln, um eine neue zeitgemäße Kultur zu schaffen. Die greise Heldengestalt 
des Großen Kaisers steht nicht am Ende, sandern am Anfang einer künstlerischen Entwickelung 
Deutschen Geisteslebens. 
Deckenfries mit dem Medaillonporträt Friedrichs J. im Schloß Charlottenburg.
	        
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