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Friedrich Wilhelm I.

Full text: Die Kunst im Dienste der Staats-Idee / Malkowsky, Georg (Public Domain)

aus. Huch im Innern war für „Commodität“ gesorgt. Die Wände waren im einfacheren 
haushalt weiß getüncht, bei gröäßerem Wohlstande mit bedrucktem Wachstuch ausgeschlagen, wer 
über reichliche Mittel verfügte, bedeckte sie mit „gewürckten Tapeten als Hautelice mit Per— 
sonnagen, wie auch Derdüren, nach veritablen frantzösischen Dessein gearbeitet“. Spiegel-, 
Bilderrahmen und Möbel waren meist aus Nußbaumholz hergestellt. Der kostbarere Zlügel 
wurde nötigenfalls durch ein „wohlklingendes Clavier“ ersetzt. Kronleuchter und Blaker mit 
Wachs- oder Talgkerzen dienten zur Beleuchtung. Kommoden mit Bronzebeschlägen, Schenck— 
und Kleiderspinden, Canapee mit „Fauteuillen“ und Stühle mit Rohrsitz vervollständigten das 
Ameublement. AUuch der große weiße Kachelofen fehlte nicht, ebensowenig die „Engelische 
Stutzuhr“ und etliches Porzellan, Kupfer und Zinn. Der wachsende Wohlstand drückte sich in 
häuslicher Behaglichkeit aus. In einem wohlkonditionierten Bürgerhause sah es beinahe wie 
bei „Königs“ aus, die ja auch den überflüssigen Prunk nicht leiden konnten. Über die prächtige 
Kesidenzstadt Friedrichs J. legte sich allmählich unter dem Einfluß seines ökonomischen Nach— 
folgers eine neue bodenständigere Kulturschicht, die dem Dolksbewußtsein entsprach, wenn sie 
ihm auch zunächst gewaltsam aufgedrängt zu sein schien. 
Das ältere Potsdam ist eine persönliche Schöpfung Friedrich Wilhelms J. Berlin hatte 
seine „blauen Kinder“, die Riesengarde, nicht aufnehmen wollen. Da schuf er ihnen eine eigene 
Garnison in der Nachbarstadt. Hier herrschte der Holländische Stil mit seinen Grachten und 
Wasserläufen, die gelegentlich von künstlichen Teichen mit Inseln und Pavillons, wie dem 
sogenannten Tabaks-Kollegium, unterbrochen wurden. Für sich selbst genügte dem König das 
Stadtschloß, dem er, wie in Berlin anstatt des CLustgartens, einen Exrerzierplatz vorlegte. Die 
bewährte Baupolitik wurde unentwegt fortgesetzt. Unter dem Einfluß der Materialien- 
lieferung und der Prämien entstanden ganze Straßenfronten, deren Backstein- und Putzfassaden 
freundlich aus dem Grün der hier und da angepflanzten Bäume hervorleuchteten. Patronen- 
taschen nante sie das Dolk um ihrer geringen Tiefe willen, aber in den engen Käumen hatte trotz 
des kriegerischen Namens in langer Friedenszeit behaglicher Wohlstand festen Juß gefaßt. 
Den häusern in den beiden Kesidenzstädten fehlten die Bewohner. Es mußte für Zuzug 
gesorgt werden. Die zwanzigtausend Salzburger Protestanten, denen FJriedrich Wilhelm eine 
Zufluchtsstätte gewährte, gingen allerdings meist nach Ost- und Westpreußen als Ackerbauer. 
Für die Besiedelung der Friedrichstadt mußten andere Maßregeln ergriffen werden. In den 
Erlassen vom 29. Oktober 1732 und vom 3. Hugust 1734 wurden den zuziehenden Handwerkern 
weitgehende Konzessionen erteilt: „Freies Bürger- und Meisterrecht, Exemption von Servis, 
Einquartierung und bürgerlichen Oneribus auf fünf Jahre; an Transportkosten von jeder 
Meile acht Groschen; einer nombreusen, über vier Personen sich erstrechenden Jamilie werden 
annoch zwei Groschen vor jede Person groß oder klein pro Meile zugelegt; einer jeden anhero 
ziehenden Jamilie sollen zu ihrem besseren Etablissement auf zwey Jahre, jährlich Fünfzen 
Thaler zur hausmiethe ausgezahlet werden; wollen gantze Colonien kommen, sollen ihnen ein 
gantz Revier oder Straße eingeräumt werden mit besonderen Kirchen und Schulen; die hand— 
werker erhalten PVorschuß, auch wird ihnen das fehlende Handwerkzeug umsonst angeschaffet; 
Jabrikanten wird Kapital ohne Zinsen vorgestreckt.“ Hatte schon die Zuwanderung der 
Böhmen der Weberei neuen Hufschwung gebracht, so begünstigte der König besonders die 
inländische Tuchwirkerei. Die Grotte mit ihren Arkaden im Custgarten mußte einer Tapezier—
	        
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