S ta b tra t Zitier: E s ist Ih n e n ja bekannt, daß die
O rganisation der B erliner Feuerw ehr, wie sie vorläufig
noch besteht, ein staatliches In s titu t ist, w ährend die
anderen im Bezirke G roß-B erlins städtische Gem einde
einrichtungen sind. N un w äre es zweckmäßig gewesen,
bei der E ingem eindung der V ororte diese F ra g e gleich
zu regeln. D as ist aber noch nicht geschehen, vielmehr ;
ist die F rage, w as m it der F euerw ehr werden soll, in s
besondere der B erliner, noch eine offene. Selbstoer- -
stündlich ist die F rag e n u r zu lösen von der Landes-
Versammlung, die hier feststellen m uß, ob die F eu er
wehr süchtig ein städtisches In s titu t bleiben soll, oder
ob die F euerw ehr ein staatliches In s titu t w erden soll.
Die S tellungnahm e in unserem Bezirk ist ja eine ganz
klare. S ow ohl die Feuerwehrm annschaften a ls auch der
F ü h re r unserer Feuerw ehr haben stets den S tandpunkt
auch in B erlin eingenomm en, daß unsere F euerw ehr ein ;
städtisches In s titu t bleiben soll. (Z uruf: Auch der
F üh re r? ) Auch der F ührer. E s liegt m ir eine
authentische Ä ußerung vor, daß e r in B erlin ständig i
den S tandpunk t vertreten hat, daß die Feuerw ehr eine ;
städtische E inrichtung bleiben soll, und zw ar m it dem |
E rgänzungsan trage , daß der V erw altungsbezirk 14 ein |
einheitlicher Feuerwehrbezirk Neukölln bleiben soll, ;
w ährend hingegen in B erlin ein anderes Ziel verfolgt j
wurde. E s w ar dort in Aussicht genommen, den Feuer- j
löschbezirk Neukölln anders zu gestalten, nämlich Teile |
von B erlin diesem Bezirke zuzuschlagen und dadurch eine !
Beschickung von B erliner Teilen unserer F euerw ehr ;
aufzuerlegen, andere Teile, wie Britz usw., von der ;
Schöneberger F euerw ehr bedienen zu lassen. Ich habe
den B randdirektor instruiert, daß w ir ein lebhaftes
Interesse haben, Britz m it unserer Feuerw ehr zu be
dienen. W ir haben die Wache in der N ähe erbaut
und haben den nächsten A ktionsradius für die B e
schickung. A us A nlaß eines Artikels im Neuköllner
Tageblatt habe ich den B randdirektor veran laß t, sich
persönlich zu äußern. E r hat bestimmt erklärt, daß :
er bei allen V erhandlungen im m er den S ta n d p u n k t;
vertreten hat, daß die F euerw ehr ein städtisches I n
stitut bleiben soll und daß sie sich auch m it unserem
Verwaltungsbezirke decken soll. Von unserer S eite
ist nach dieser Richtung hin alles geschehen, um die
Einrichtung a ls städtische ausrecht zu erhalten.
W enn ich die F rag e erschöpfend beantw orten
soll, welche Schritte zu tun sind, w ürde es wohl am
Platze sein, daß die S tadtverordnetenversam m lung a ls ;
solche erklärt und den Wunsch ausdrückt, daß bei einer i
K onzentration der F euerw ehr diese Feuerw ehr nicht
als staatliches, sondern als städtisches In s titu t auf
gezogen w erden soll. Bei den V erhandlungen in
G roß-B erlin ist noch zu entscheiden, ob die Bezirke
ihre Selbständigkeit hinsichtlich der einzelnen Aus- ;
gaben beibehalten oder ob sie dieselben an die Z en tra l- !
instanz abgeben. Bezüglich der F euerw ehr hat m an den ;
S tandpunk t vertreten, daß es an sich eine gewisse B e
rechtigung hat, eine Z entralinstanz zu schaffen, schon
um die gegenseitigen A ushilfen mehr zu gewährleisten,
aber w enn die Zentralinstanz geschaffen w ird, müßte
die F ra g e unbedingt entschieden werden, ob es eine
städtische oder staatliche Einrichtung sein würde.
Hiernach dürfte es sich empfehlen, den M agistra t zu
ersuchen, sich m it einer P etition , vielleicht m it anderen
Gemeinden zusammen, an die Landesversam m lung zu
wenden mit dem Ziele, daß die künftige Einrichtung
der F euerw ehr als städtische Einrichtung aufzuziehen ist.
Vorsteher: Ich gebe mich im A ufträge meiner
Fraktion m it dieser E rk lärung zufrieden. Ich möchte
nu r noch erklären, daß der Leiter der städtischen
Feuerw ehr an diesen Bestrebungen keinen Anteil hat.
W ir sind nunm ehr am Schlüsse der öffentlichen
Sitzung angelangt. Ich glaube in I h re r aller E in
verständnis zu handeln, w enn ich in diesem keineswegs
unbedeutenden M om ente in der Geschichte unserer
S ta d t noch einige W orte an S ie richte und Ih n e n
einiges in E rinnerung rufe. Am Schluß unserer
S itzung w ird es sich verlohnen, nochmals ganz kurz im
Geiste Revue passieren zu lassen, welche Bedeutung
eigentlich die S ta d t Neukölln im Kranze der Groß-
B erliner Gemeinden hat. E s w ird sich verlohnen, mit
einigen W orten der M ühe und A rbeit und der selbst
losen Hingabe der Bürgerschaft zu gedenken, die unter
den schwierigsten Verhältnissen an dem A ufbau der
S ta d t teilzunehmen Gelegenheit gehabt hat. Ich w ill
außer Acht lassen jene Periode der städtischen Entwicke
lung, die m an in die ersten 500 Ja h re zusammenfaßt,
jene Periode, in der sich Neukölln zu einem großen
Gemeindewesen als Landgem einde entwickelt h a t: ich
betrachte lediglich die P eriode jener gewaltigen in
dustriellen Entwickelung, die in den neunziger Ja h re n
einsetzte, und von der ab eigentlich Neukölln seinen
gewaltigen Aufstieg datieren darf. W ährend sowohl
B erlin wie einige andere G roß-B erliner Gemeinden
zu Jndustriegem einden sich auswuchsen, w aren Neukölln
und andere große B erliner V ororte lediglich das R e
servoir, das die Menschen aufnahm , die aus den in
dustriellen Etablissements des T ages herausström ten
und ihren W ohnort aussuchten. Diese Entwickelung
brachte es mit sich, daß unsere Gemeinde eigentlich im
Rückstände bleiben mußte gegenüber den anderen wohl
habenden Gemeinden. Und die Tatsache, daß Neukölln
n u r eine W ohngemeinde der niederen Volksschichten
wurde, brachte die S ta d t selbst- in eine prekäre Lage,
weil sie mit dieser einseitig zusammengesetzten Bevölke
rung zu arm blieb, um die großen K ulturausgaben
erfüllen zu können, die andere wohlhabende Gemeinden
zu erfüllen die Möglichkeit hatten. Und daher muß
m an es doppelt wertschätzen, w enn in den wenigen
Jahrzehn ten in Neukölln selbst produktive Werke ge
schaffen worden sind, durch deren Erträgnisse im Ort
die kulturellen Verpflichtungen im R ahm en der G roß-
B erliner Gemeinden erfüllt w erden konnten. S ie alle
wissen und sind eingedenk der Kämpfe, die geführt
w urden um diese Einrichtungen selbst. Diese Kätnpfe
spielten sich ab auf dem Untebgrunde der sozialen
Gegensätze, sie w urden geführt — das kann offen a u s
gesprochen werden — vom S tandpunk t oft kleinlicher,
oft egoistischer Interessen. Aber diese Kämpfe wurden
durchgeführt, und sie m uhten durchgeführt werden,
weil anders sonst die Gemeinde sich nicht hätte ent
wickeln können zu einem so stolzen Gebilde, wie es
Neukölln doch heute tatsächlich ist. Trotz seiner arm en
Bevölkerung dürfte unsere S ta d t wahrscheinlich in
späterer Zeit den anderen in die G roß-B erliner G e
meinschaft eintretenden O rten ein leuchtendes Vorbild
sein. Die Debatte über die vorhergehenden Punkte
der T agesordnung hat gezeigt, daß w ir Einrichtungen
haben, von denen w ir alle überzeugt sind, daß sie
später nicht allein die F inanzen der Gemeinde N eu
kölln, sondern auch die G roß-B erliner erheblich au f
zubessern geeignet sein werden. Ich erinnere daran,
daß unser Schulwesen n u r deshalb gleichen Schritt
halten konnte m it dem der übrigen Gemeinden G roß
- B e r l i n s , weil Neukölln städtische Einrichtungen aus
weisen kann, die gewissermaßen die milchende Kuh für
die Gemeinde darstellen. A us den Quellen ihrer
Werke hat die Gemeinde geschöpft, au s ihnen hat sie
die dringendsten K ulturaufgaben zu befriedigen ge
w ußt; und w enn ich sagte, daß auf dem U ntergrund
unserer Kämpfe oft soziale Interessen eine Rolle
spielten, so darf doch nicht vergessen und nicht ver
kannt werden, daß, w enn einm al die Erfordernisse der
Zeit sich Durchbruch verschafften, w enn der Kampf