daß die 5 Pf. pro Woche und Mann, welche an die
Zentralleitung fließen sollen, für kleinere Orte, welche
nur 10 Pf. pro Woche opfern, zu hoch wären, da sie
50 pCt. ausmacht. Er wünscht, daß am nächsten
Kongreß ein gleichheitlicher Prozentsatz festgesetzt wird
und glaubt Hauser, daß unsere Organisation nicht zu
Brunde geht, wie Thomas angeführt, da wir mit
unserer Agitation gute Fortschritte machten. K. Pfeiffer
bestätigte den Fortschritt unserer Organisation in
Bayern damit, daß die Zahl der Vertrauensmänner
bon 2 auf 14 gestiegen ist GBravo). Ueber Mißstände
auf den Werkplätzen Will, Edler und Zwisler wird
mitgetheilt, daß bei Will 3 Kollegen wegen Mehrlohn—
forderung gemaßregelt worden. Bei Will ist nicht
einmal das nothwendigste Werkzeug für die Gesellen
vorhanden und mußten sie sich als Richtscheite mit den
nächst besten herumliegenden Brettabschnitten sich helfen,
ind das geschieht in der „Kunststadt“ München auf
Staatsbauten. Bei Eder wurde über schlechte Aklord—
öhne und den Druck der Poliere Buchner und Schuh—
nagl gegen die organisirten Kollegen geklagt, während
die Indifferenten bevorzugt werden. Auch bei Zwisler
ist sehr schlechter Akkordverdienst, so daß es nur dem
allerbesten Steinmetz möglich ist, bei angestrengtester
Arbeit auf Tagelohn zu kommen. Besonders wurde
bedauert, daß bei Zwisler den ganzen Winter bei
ꝛlektrischem Licht gearbeitet wird, während so viele
ZSteinmetzen arbeitslos sind. Pfeiffer und Kempf be—⸗
antragen, daß die Debatte darüber geschlossen und daß
m Budenrechte und dann in einer Delegirtensitzung
die Sache berathen wird, um in der nächsten Ver—
sammlung darüber Beschluß zu fassen, um gegen die
Mißstände Stellung zu nehmen. Dieser Antrag wird
einsiimmig angenommen. Vorsitzender Straubinger
dankt dem Refserenten Thomas für sein gediegenes
Referat und der Versammlung für den zahlreichen Besuch.
Pirna. Am 23. Dezember 1884 fand eine gut—⸗
»esuchte Steinarbeiterversammlung von Pirna und Um—
gegend im „Carolabad“ statt. Es wurde den Platz—⸗
irbeitern mitgetheilt, daß auf allen Plätzen richtig nach
Tarif bezahlt würde, ausgenommen auf dem Platze
Schaffler. Ein Kollege theilte mit, es wäre wohl
Alles z. Jtig nach Tarif ausgerechnet, aber bekommen
zätten sie keinen Pfennig Geld (große Heiterkeit). Der
kassirer Otto Hartmann gab dann die Abrechnung be⸗
tannt. Der Kassenbestand vom vorigen Quartal war
2016 M. 80 Pf., die gesammte Einnahme vom letzten
Dnur!! 1421 W 4 ιι ααα ,
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ais erster und Otio Hartmann als zweiter Vertrauens—
mann mit großer Stimmenmehrheit gewählt. Sämmt⸗
liche Briefe sind an Oskar Dennert in Copitz, niedere
Bergstraße, bei Pirna zu richten.
Als Orisstatistiker wurde Kollege Geßner (Platz
Schilling) gewählt. In die Schiedskommission wurden
die Kollegen Geßner, Füßel und Otto Knobloch ge—
wählt. Die Bestimmung des Kongreßortes fü deu
nächsten Steinarbeiter-Kongreß wurde nach längerer
Debatte bis zur nächsten Versammlung vertagt. Der
Vorsitzende erklärte der Versammlung, es sei nützlich,
die Kenntniß der Gesetze in der Organisation zu för⸗
dern. Er schilderte haupsächlich die Pflichten eines
Vertrauensmannes, und zeigte, wie dieser mit vielen
Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Die Versammlung
pflichtete dieser Klarlegung bei und bewilligte die Geld—
mittel zur Beschaffung von Büchern zur Beförderuno
der Gesetzeskenntniß.
Ein Ueberschuß von 25 Mark vom letzten Stif—
tungsfeste wurde einstimmig dem Gesangverein der
Steinmetzen überwiesen. Der Ortsstotistiker soll den
Platzstatistiker jährlich vier- bis fünfmal revidiren, weil
die Statijstik leider noch weit zurück ist. Dann wurde
vom Vorsitzenden bekannt gegeben, daß der Kollege
Moritz Unger, 28 Jahre alt, gestorben sei. Darauf
murde die Versammlung geschlossen.
Pirna in Sachsen. Statistische Ethebungen über
die Lage der Stemardbeiter von Pirna und Umgegend
für die Zeit vom 1. Oktober 1893 bis 1. Oktober
1894. Die Organisation der Steinarbeiter von Pirna
und Umgegend fühlt sich auch in diesem Jahre ver—
mnlaßt, einen statistischen Bericht zu veröffentlichen,
um den Einwohnern von Pirna und Umgegend, vor
allem aber den Betheiligien selber vor Augen zu
führen, wie traurig es hier in der Steinindustrie be—
ttellt ist. Die Lohnstatistik erstreckt sich nur auf
die Werkplätze von Pirna, da aus den Brüchen
n dieser Hinsicht bis jetzt noch kein Material zu er—
langen war. Was Pirna betrifft, so haben auch nur
124 Mann die Lohnkarten richtig ausgefüllt; darnach
beträgt der Gesammtverdienst dieser 124 Mann im
Jahre 113 460.653 Mek., was einen Durchschnittsvedienst
bon 915,78 Mtk. pro Jahr und Kopf ergiebt, mithin
auf pro Tag und Kopf (Sonn- und Feiertage ein—
gerechnet) 256 Mk. ausmacht, wovon aber jeder noch
das Werkzeug selber zu stellen hat. Auch unter
der Arbeitslosigkeit haben wir, wie nachstehende Zeilen
eweisen. schner zu sleiden. Diese 124 Meann maren
nsgesammt 10 168 Tage arbeitslos, was pro Mann
32 Tage oder die Woche zu sechs Arbeitstagen ge—
rechnet, 13 Wochen und 4 Tage ausmacht. Krank und
arbeitsunfähig waren von diesen 124 Mann 28 ins—
zesammt 954 Tage, was pro Mann durchschnittlich
34 Tage Tage 213,2 Stunden oder 4 Wochen 6 Tage
11/3 Stunden ausmacht. Bis zu 2 Wochen waren
3 Mann, bis zu 4 Wochen 5, bis zu 10 Mann 12
bis zu 20 Wochen 6 und bis zu 250 Wochen 1 Mann
krank. (Sind die Krankheitstage in die Tage der
Arbeitslosigkeit eingerechnet, oder kommen sie noch
jinzu? D. Red.) Daß wir in unserem besten Mannes
alter dahinsiechen, beweist nachstehende Sterblichkeits-
tatistik. Vom 1. Oktober 1893 bis 1. Okltober 1884
ind in Pirna allein (das heißt, die hier gearbeitet
yaben) 16 Kollegen gestorben, welche ein Gesammt
alter von 560 Jahre 2 Monate und 13 Tage er—
reichten, was ein Durchschnittsalter der Gestorbenen
yon 35 Jahre 2 Tage und 2 Stunden ergiebt.. Todes
irsache war bei 11 Mann Lungenschwindsucht
»ei 1 Mann Bauchfellentzündung, bei 2 Mann Kehl—
topfschwindsucht, bei 1 Mann Herzschlag und bei
1. Mann Rheumatismus. Hiervon waren 13 Mann
Familienväter, einer war Wittwer und zwei waren
edig. Diese 13 Mann hinterließen 46 Kinder (32
unter 14 Jahren und 14 über 14 Jahre), mithin
wvar nur Wenigen vergönnt, ihre Kinder über 14 Jahre
zu erziehen. Im Berufe thätig waren diese 16 Mann
315 Jahre 2 Monate, also durchschnittlich 198/2 Jahr,
die Krankheitsdauer betrug insgesammt 354 Wochen
und 4 Tage, also im Durchschnitt pro Mann
27 Wochen 1 Tag und 3 Stunden. Ris zu zehn
Wochen waren krank 3 Mann, von 10—-20 Wochen
1 Mann, von 20—39 Wochen 3 Mann, von 30 bis
10 Wochen 2 Mann, von 40-60 Wochen 3 Mann
und 1 Mann war 136 Wochen krank. Diese Zahlen
erstrecken sich aber nur auf die letzte Zeit der Arbeits⸗
infähigkeit. Das Alter der 16 Mann stellt sich wie
'olgt: es wurden alt 20—-25 Jahre 2 Mann, 285 bis
3h Jahre 9 Maun, 35—45 Jahre 3 Mann, 45 bis
50 Jahre 1 Mann und 1 Mann wurde 65 Jahre
1 Monate und 17 Tage alt. Was das Lehrlings
vesen betrifft, so ist die Lage desselben eine keineswegs
zünstige. Am verwerflichsten ist aber für die Lehrlinge
das Akkordsystem, das am meisten dazu beiträgt, daß
den Burschen während der Lehrzeit schon der Keim
der Schwindsucht eingeimpft wird. Es lernten in
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geroen ehht mann uun in , bie
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»io ⸗40 pot. LAc hiesigem Tarife bezahlen, so erhalten
ie 40—50 pCt. anstatt 20 -25 pCt. Lehrgeld. Ein
Wink für Eltern, welche ihre Söhne der Steinindustrie
»neisgeben wollen. Wie auf allen anderen Gebieten
o eignen sich auch die Steinindustriebarone die modern
echnischen Betriebsmittel immer mehr an. So sind
z. B. vorhanden: 11 Steinsägen (8 mit Dampf-⸗ 2
nit Dampf- und Wasser- und 1 mit Wasserbetrieb).
In diesen 11 Steinsägen gehen 36 Gatter, welche im
Ztande sind, in einer Woche über 8000 Quadratmeter
Fläche zuschneiden, während ein Steinarbeiter nur
0-12 Quadratmeter zu bearbeiten im Stande ist
Dann sind 5 Sandsteindrehereien vorhanden, 2 mi
Dampf-, 1 mit Gasmotor und 2 mit Wasserbetrieb
Mit diesen Maschinen ist ein Dreher im Stande, so
ziel zu drehen, wie es 82v10 Steinarbeitern kaum
möglich war. Ein Beweis, daß auch wir Steinarbeiter
mit jedem Jahre mehr der Maschine weichen müssen,
um die große Reservearmee von Arbeitslosen zu ver—
mehren. Jedenfalls wäre hier die Verkürzung der
Arbeitszeit (wovon die Geschäftsinhaber durchaus nichte
wissen wollen) sehr am Platze. Beträgt auch die
Arbeitszeit für Pirna nur 9 Stunden, so sind doch
in den Brüchen bis zu 16 Stunden keine Seltenheit
Ddies wäre so im Allgemeinen das Ergebniß der dies—
ährigen Statistik; vielleicht sind wir später in der
—D
zu schildern. Ganz besonders sind es hier die Stein—
„recher, Häcker, Räumer u. s. w., welche bei der ge—
ährlichen Arbeit (durch die Profitwuth der Unter—
iehmer getrieber) Gesundheit und Leben auf's Spiel
etzen, was gerade die vielen Unglücksefälle in letzteren
Zeit zur Genüge beweisen. Da koönuen keine Palliativ—
nittelchen, wie „Steinbrecherheim“ u. s. w. helfen,
ondern das einzige Mittel, unsere Lage etwas zu
erbessern, und besonders auf unsere Gesundheit ein—
uwirken, ist vor allen Dingen Abschaffung des Akkord—⸗
ystems und eine möglichst kurze Arbeitszeit. Das
oͤnnen wir aber nur durch eine straffe Organisation
ämmtlicher in der Steinindustrie beschäftigten Arheiter
erringen.
Der Statistiker für Pirna und Umgegend.
Tarl Müller, Steinarbeiter, Grohmannstr. Nr. 7II.
Topfer.
Berlin. Die am 30. d. Mts. tagende Kouferenz
der Delegirten der nach dem Vertrauensmännersystem
Irsgnisirten Orte. über die wir noch ausführsficher
verichten werden, nahm folgende Resolution an: „Die
am 30. Dezember 1894 in Berlin tagende Konferen
der Töpfer Deutschlands, welche auf dem Boden de
Vertrauensmänner⸗-Zentralisation steht. beschließt Fo!
gendes:
1. Die Geschäftsleitung bleibt der zur Zeit
zestehenden „Geschäfts-Kommission der Töpfe
Deutschlands“ bis zum nächsten deutsche
Töpferkongreß überlassen; die Delegirten der
jeutigen Konferenz sind mit der bisherigen Thätigkeit
der Geschäftskommission zufrieden, wünschen aber für
die Zukunft, daß auf die mündliche und schriftlich
Agitation mehr Nachdruck gelegt werde, um dadurä
den Zusammenhalt unter den Kollegen mehr zu festigen.
Die anwesenden Delegirten verpflichten sich, die Ge—
chäfts-Kommission hierbei nach Kräften zu unterstützen
indem:
a) der jeweilige Vertrauensmann eines jeden
Ortes verpflichtet wird, in Zeiträumen von je sechs
Wochen einen Bericht über die wirthschaftliche Lage
der Kollegen am Ort an den Vorsitzenden der Geschäfts⸗
Kommission, sowie öfter Berichte, welche von Wichtig—
keit für die Allgemeinheit sind, an den Redakteur des
„Bauhandwerker“ einzusenden. Der Vorsitzende der
Beschäfts Kommission ist verpflichtet, aus dem so ge—
wonnenen Material mindestens vierteljährlich einen
Bericht über die allgemeine Lage unserer Kollegen und
des Fortschrittes unserer Organisation zu veröffent⸗
lichen;
b) die Abrechnung der Vertrauensleute der ein⸗
‚elnen Ortschaften mit dem Kassirer der Geschäfts
Kommission bis 14 Tage nach Schluß eines jeden
Quartals mindestens erfolgt, widrigenfalls die betreffen⸗
den Ortschaften, deren Vertrauensmänner dieses unter⸗
ließen, im Fachorgan daran erinnert werden;
o) die Geschäfts-Kommission verpflichtet ist, die
gesammelten Gelder nur zu dem Zweck zu verwalten
und zu verwenden, wie es in dem Geschäftsplane,
welcher seiner Zeit von derselben den Kollegen Deutsch⸗
lands unterbreitet wurde, heißt (siehe Bauhandwerker,
Nr. 34, Jahrg. 93). Der Kassirer der Geschäfts—
Kommission ist verpflichtet, vierteljährlich öffentlich im
Bauhandwerker über Einnahmen und Ausaaben Bericht
zu erstutten.
2. Die heutige Konferenz erklärt ausdrücklich, daß
unsere Organisation auf dem Boden des Kiassen⸗-
kammes steht ind doße cie fich at⸗n or
eeenelben hareeter traeens
— α, iu J * ν.
Srceiis, Miußregeiungen u. j. w. unseren bedrängten
Arbeitsgenossen nach Möglichkeit zu Hilfe zu kommen.
Die Kollegen allerorts haben die Pflicht, bei erhöhten
Anforderungen, welche an die Geschäfts-Kommission
gestellt werden auch ihrerseits, wenn nöthig, höhere
Beiträge wie gewöhnlich zu leisten.
3. Die Konferenz erklärt ferner, ihr Bedauern
darüber aussprechen zu müssen, daß unser Fachorgan,
der „Bauhandwerker“, so wenig von den Kollegen
derücksichtigt wird. Die Konferenz erklärt noch einmal
ausdrücklich, daß sie den „Bauhandwerker“ bis
zum nächsten stattfindenden Kongreß als Fachorgan
anerkennt, und spricht die bestimmte Erwartung
aus, daß die Kollegen das Blatt ferner durch
Abonnement wirksamer unterstützen werden.
Das Preßkommissions-Mitglied der Töpfer Deutschlands
möge von Zeit zu Zeit die Anzahl der Abonnenten
aus dem Töpfergewerbe im Organ angeben. Die
Konferenz erklärt sich mit der Schreibweise des Bau—
jandwerker einverstanden und ersucht jeden Kollegen,
welcher die Fähigkeit dazu besitzt, den Redakteur durch
schriftliche Arbeiten zu unterstützen; gleichzeitig
verpfichtet sich jede Kollegenschaft für das
regelmäßige Abführen der Abonnements-Be—
träge an den Herausgeber und Verleger durch
ihre Verbreiter am Ort Vorsorge zu treffen,
wiodrigenfalls sie für etwaige Feblheträge auf—
ommt*).
4. Die Wanderunterstütz ung betreffend be—
chließt die Konferenz: Die Kollegen allerorts ver⸗
pflichten sich, je nach ihrer Lage und Leistungsfähigkeit,
Wanderunterstützung an reisende Kollegen zu ver—
abfolgen. Die Höhe der Unterstützung und die Art
der Auszahlung regelt jeder Ort für sich. Die Wander
unterstützung wird in der Regel nur an Kollegen ge—
zahlt, welche unseren Organisationen angehören,
und sich darüber ausweisen können. Ausnahmen sind
nur bei solchen Kollegen zulässig, welche erst die Lehr—
zeit beendet und sosort nach derselben ihren Heimaths—
ort verlassen haben, mithin also keine Gelegenheit
hatten, sich einer Organisation anzuschließen. Wild—
rvalten nichts.
Ausländische Kollegen, die aus dem Auslande
kommen und dort der bestehenden Organisation der
Töpfer angehört haben, erhalten von unseren Or—
*) Es ist dazu nöthig, daß man auf die allmonatlich er—
solgende Veröffentlichung der eingesandten Abonnements—
bettäge genau achtet. Es ist dies Vilicht der Vertrauens
änner «D 5 BRihn*