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Onkel Erich

Full text: Aus dem Dreimillionen-Haufen. Ulkiges / Mehring, Sigmar (Public Domain)

„Um Gottes willen! Was faͤllt dir ein! Kaiserhof, 
Zentralhotel! Wo es von Menschen wimmelt! Wo 
jedes Bett, jede Kaffeetasse, jeder Rlingelzug einen 
Ansteckungsstoff enthalten kann! Nein, ich brauchte 
ein Gasthaus, wo kein Mensch verkehrt, und ...“ 
„Und da kamst du auf das Sotel zum Zasenfuß?“ 
„Sehr richtig!“ bestaͤtigte Onkel Erich. „Es war 
das einzige unbesuchte Hotel Berlins, welches auch noch 
den Vorzug hat, daß die Wirtin eine bejahrte Witwe, 
den Portier, das Kammermaͤdchen, den Zimmerkellner 
und den Zausdiener in eigener Person ersetzt so daß 
man nicht genoͤtigt ist, mit fremden, hygienisch un⸗ 
kontrollierbaren Leuten in Beruͤhrung zu kommen. 
Ich nahm meinen Zausarzt mit, der die Wirtin zum 
Zasenfuß untersuchen mußte, und, da er sie fuͤr kern⸗ 
gesund erklaͤrte, mietete ich mich dort mit vollem Be⸗ 
hagen ein. Aber, glaubst du, auf die Ärzte ist ein 
Verlaß? Oberflaͤchliche Handlanger der Wissenschaft! 
Mein Zausarzt haͤtte sich doch, wenn er gewissenhaft ge⸗ 
wesen waͤre, erkundigen muͤssen, von wem die Wirtin 
zum Basenfuß ihre Backwaren bezieht. Aber nein! 
So ein Mensch huscht daruͤber hin, als waͤre es gleich⸗ 
guͤltig, ob ein ehrlicher Baͤckermeister oder ein Gift⸗ 
mischer uns die taͤgliche Nahrung liefert. Aber der 
Arzt wird abgeschafft!“ 
„Was? Ein Giftmischer!“ fragte ich angstbe⸗ 
klommen. „Und du hast von seiner Ware genossen! 
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