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Die Spezialorganisationen des Berliner Gaues Verein der in Schriftgießereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins

Full text: 50 Jahre Gewerkschaftsarbeit (Public Domain)

Dieser Verein wollte allen, die dem Verbande nicht angehörten, eint 
Organisation geben. 
Da kam der erste Delegiertentag der Schriftgießer Deutschlands im 
Dezember nach den Weihnachtsfeiertagen 1889 und entschied mit großer 
Majorität sich für den Anschluß an den Verband. Es hat dann durch 
gemeinsame Annäherung eine Verständigung beider Vereine statt— 
gefunden, und der 1. Mai wurde durch allgemeine Arbeitsrube gefeiert 
eine Gießerei ausgenommen). 
Der auf dem Delegiertentag zu Frankfurt 1889 angenommene Nor— 
maltarif war wie anderwärts auch den Berliner Prinzipalen vorgelegt 
worden. Diese fanden für gut, ihn mit einer Herabsetzung der bisherigen 
Preise zu beantworten. Eine von den Vorständen beider Vereine ein— 
berufene Versammlung beschloß einstimmig, an dem Normaltarif fest— 
zuhalten. Der allergrößte Teil der Kollegen ließ sich in den Verband 
aufnehmen. 
Am 22. Mai 1800 legten fämtliche Gehilfen die Arbeit nieder. Nach 
Verlauf mehrerer Wochen wurden Verhandlungen angebahnt, die mit 
einer 15prozentigen Erhöhung des Tarifs, Aufschlag für Überstunden und 
gänzliche Abschaffung der Heimarbeit endeten. Aus dem Normaltarif 
purde nichts. 
Vom 7. bis 15. Mai 1892 fanden wegen rigoroser Bestimmungen in 
den Arbeitsordnungen dreier Gießereien Arbeitseinstellungen statt. 
Im Jahre 1898 wurden die Hilfsarbeiter und -arbeiterinnen in den 
Verein aufgenommen. 
Für die Komplettmaschinen, die nach ihrer Einführung im Jahre 
1888 immer mehr Eingang fanden und an welchen so lange im Lohn 
zearbeitet worden war, wurde das Berechnen eingeführt. 
Im Anfang waren die am wenigsten verdienenden Gehilfen für den 
heute unglaublich klingenden Lohn von 15 Mk. wöchentlich für die 
Komplettmaschine ausersehen worden. Als aber durch die Vermehrung 
der Maschine Mangel an so billigen Arbeitskräften eintrat, wurde ein 
Anfangslohn von 20 Mk. gezahlt. Leistungsfähige Gehilfen gingen für 
diesen Lohn nicht an die Komplettmaschine; allmählich stieg der Lohn 
auf 80 Mk. Weitere Lohnforderungen wurden prinzipalsseitig mit der 
Vorlage eines Akkordtarifs beantwortet. Der Vorstand mußte eingreifen, 
und bei Woellmer kam es vor Abschluß des Tarifs zum Ausstand. Dieser 
Tarif enthielt kein Zurichtegeld, da keine Quanten unter 100 Kilo gegossen 
werden sollten. Als 18097 nach dem Offenbacher Kongreß neue Forde— 
rungen gestellt wurden, wurde auch das Zurichtegeld eingeführt. Der 
Antrag auf Einführung des achtstündigen Arbeitstages wurde entschieden 
abgelehnt, bedingungsweise aber der 86 stündige Arbeitstag auf zwei 
Jahre später in Aussicht gestellt. Die Tarifverhandlungen brachten im 
übrigen einigermaßen Erfolg. Nach mehrtägigen Verhandlungen kam 
ein einheitlicher Tarif zustande. 
Für die Messinglinienarbeiter wurden tarifliche Aufbesserungen ge— 
schaffen und für die Teilerinnen eine Lohnskala festgesetzt. 
Im Jahre 1809 beantragte der Vorstand die zwei Jahre vorher 
bedingungsweise versprochene 886 stündige Arbeitszeit. Die Prinzipale 
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