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1902-1906

Full text: 50 Jahre Gewerkschaftsarbeit (Public Domain)

Im Laufe des Jahres trat eine bedeutende Verteuerung fast 
aller Lebensmittel ein, welche die Gehilfenschaft schwer belastete. 
Auf Veranlassung des Gauvorstandes beschloß eine Vertrauens— 
männerversammlung am 2. September 1908, bei den einzelnen 
Prinzipalen um Gewährung einer Teuerungszulage vor— 
stellig zu werden, bei der in erster Linie die minimal bezahlten 
Gehilfen berücksichtigt werden sollten. Die Berliner Prinzipale be— 
stritten zwar die bestehende Teuerung nicht, erklärten jedoch dieses 
Vorgehen der Gehilfenschaft für tariflich unzulässig. Sie be— 
schlossen in einer zu diesem Zweck einberufenen Versammlung, eine 
allgemeine Erhöhung des Minimums in Gestalt einer Teuerungs— 
zulage abzulehnen. Aus Billigkeitsgründen wurde aber empfohlen, 
den zum Minimum stehenden verheirateten Gehilfen, soweit 
deren Leistungen zufriedenstellend sind, für die nächsten drei 
Monate eine monatliche Zulage von 3 bis 4 Mk. zu gewähren. 
Eine im November aufgenommene Statistik stellte jedoch fest, 
daß die meisten Firmen, welche Zulagen bewilligten, dieselben 
wöchentlich gewährten. Im ganzen hatten 94 Firmen rund 
1500 im gewissen Gelde arbeitenden Gehilfen Teuerungszulagen 
zugestanden. 
Um eine starke Prinzipalsorganisation für die 
1906 bevorstehende Tarifrevision und die geplante Verlegung der 
Tariforganisation in die Berufsverbände auch in Berlin zu er— 
halten, hatte schon im Februar eine Versammlung der tariftreuen 
Prinzipale eine Vereinigung im Deutschen Buchdrucker-Verein für 
notwendig erachtet und zur Erreichung dieses Zweckes die Auf— 
lösung des Bundes der Berliner Buchdruckereibesitzer (Innung) 
und der Freien Vereinigung Berliner Buchdruckereibesitzer 
empfohlen. Nachdem dies geschehen, wurde am 30. Oktober 1905 
der Verein Berliner Buchdruckereibesitzer als Bezirk Berlin des 
Deutschen Buchdrucker-Vereins ins Leben gerufen. 
Am 26. März 1906 verstarb der Kassierer des Vereins, Franz 
Stolle. Seit Beendigung seiner Lehrzeit im Jahre 1863 war er 
Mitglied des Berliner Vereins und hatte fast 25 Jahre lang die 
Kasse desselben verwaltet. An seiner Stelle wurde Giesecke 
zum Kassierer gewählt. 
Das Jahr 1906 stand unter dem Zeichen der Tarif- 
beratung. Schon am 26. Februar und 29. März beschäftigten 
sich zwei Vereinsversammlungen mit der Beratung und Beschluß— 
fassung von Anträgen zu derselben, deren wichtigste hier genannt 
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