Firierung eines Setzmaschinentarifs. Der vom Tarif—
amtssekretär Schliebs geschaffene und von einer Kommission
durchgesehene Kommentar wurde am 1. September 1899 der
Offentlichkeit übergeben und allseitig in Fachkreisen freudig
begrüßt.
Zur Schaffung eines Setzmaschinentarifs setzte der Tarif—
ausschuß eine Kommission ein, die gemeinsam mit Fachleuten einen
Entwurf feststellte, der vom Tarifamt und Tarifausschuß gut—
geheißen und als provisorischer Tarif für die Dauer des gültigen
Buchdruckertarifs zur Einführung empfohlen wurde. Als Ein—
führungstermin war der 1. Januar 1900 vorgesehen. Das Tarif-
amt wurde auf drei Jahre von München nach Berlin verlegt. Im
Herbst 1899 erließen die Gehilfenmitglieder im Tarifamt und
Tarifausschuß einen Aufruf mit der Aufforderung an die Gehilfen
in nichttariftreuen Firmen, zum letztenmal am 28. Oktober von
ihren Prinzipalen die Einführung des Tarifs zu fordern und bei
Nichtgewährung zu kündigen. In Berlin blieb der Erfolg völlig
aus, da die freigewordenen Stellen sofort von auswärtigen Ge—
hilfen besetzt wurden, trotzdem die Bezahlung in diesen Kunst—
tempeln nur 18 bis 22 Mk. betrug. Am Schluß des Jahres 1899
berichtete das Tarifamt über 3070 Firmen mit 33000 Gehilfen,
die den Tarif anerkannt hatten.
Zur dritten Generalversammlung des Verbandes
in Mainz stellte Berlin 17 Delegierte: Berkhahn, Biele—
feld, Eichler, Faber, Giesecke, Günther, Jährig,
Kuske, Leistico, Massini, Meyer, Mörke, Sie—
wert, Stolle, Streckert, Treder, Wachs. Das vom
19. bis 24. Juni 1899 tagende Buchdruckerparlament beschäftigte
sich vorwiegend mit Änderungen des Statuts und der Unter—
stützungssätze. Veranlaßt durch die Kompetenzstreitigkeiten über
das Ausschlußrecht des Verbandsvorstandes anläßlich der Oppo—
fitionsausschlüsse wurde dem 8 5 des Statuts folgender Anhang
gegeben: „In außergewöhnlichen Fällen erfolgt die Ausschließung
durch den Verbandsvorstand mit Zustimmung der Mehrheit der
Gauvorstände“. Ferner wurden die Reise-, Orts-, Invaliden—
unterstützung sowie die Umzugskosten und das Begräbnisgeld er—
höht. Eine einstimmig angenommene Protestresolution gegen den
„Gesetzentwurf zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses“
(der berüchtigten Zuchthausvorlage) wurde telegraphisch dem
Reichstagspräsidenten übermittelt.
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