Pfad:
1896-1901

Volltext: 50 Jahre Gewerkschaftsarbeit (Public Domain)

richten und für ihre Ziele Propaganda machen könnten. Das ver— 
anlaßte den Gauvorstand, der hierin einen organisierten Wider— 
stand erblickte, Schritte zu tun, um den vielen unfruchtbaren und 
oft persönlichen Debatten in den Versammlungen ein Ende zu be— 
reiten und ein ruhiges, sachliches Erledigen der Tagesordnungen 
zu ermöglichen. Ein vom Vorstand herausgegebenes Flugblatt, 
das sich gegen die „jede Vereinstätigkeit unmöglich machende 
organisierte Opposition“ wendete, forderte zu zahlreichem Besuch 
einer außerordentlichen Vereinsversammlung auf, die Maß— 
nahmen zu beschließen habe, welche ein ersprießliches Arbeiten er— 
möglichen. Die bei Keller, im größten Saale Berlins, abgehaltene 
überfüllte Versammlung mit der Tagesordnung: „Wie stellt sich 
der Berliner Verein zu den Vertretern der Gaschschen Richtung?“ 
nahm mit Vierfünftel-Majorität eine Resolution an, worin der 
Vorstand aufgefordert wird, Mitglieder, die fortgesetzt vereins⸗ 
schädliche Bestrebungen verfolgen, der Vereinsversammlung zum 
Ausschlusse vorzuschlagen. Infolge der Haltung des „Vorwärts“ 
in der Tarifgemeinschaftsfrage und wegen seiner wiederholten 
Angriffe auf den Verband fand eine Besprechung zwischen Ver— 
tretern des Verbandes (Gau⸗ und Zentralvorstand), der Preß—⸗ 
kommission und Redakteuren des „Vorwärts“ statt. Letztere be— 
dauerten ihre mangelnde Information und gaben die Erklärung 
ab, eine versöhnliche Haltung einzunehmen und dem Verbande eine 
gerechtere Würdigung widerfahren zu lassen. Von verschiedenen 
Seiten waren Versuche angebahnt worden, den Verbandsvorstand 
zur Zurücknahme der Ausschlüsse der „Buchdrucker-Wacht“Gründer 
zu veranlassen, um dadurch wieder den Frieden herbeizuführen. Da 
aber für die Pfingsttage 1897 ein „Kongreß der Tarifgemeinschafts- 
gegner“ nach Leipzig einberufen wurde, erklärte eine am 27. Mai 
in Berlin tagende Gauvorsteherkonferenz „die Frage der Zurück— 
nahme der Ausschlüsse in Anbetracht des Vorgehens der Leipziger 
Oppositionsführung in den letzten Wochen gegenwärtig für nicht 
diskutierbar“. Ferner wurde beschlossen, mit allen statutarischen 
Mitteln dem schädigenden Treiben der Opposition entgegenzu— 
treten. Veranlaßt durch die Beschlüsse des „Tarifgemeinschafts- 
gegner-Kongresses“ — Fortsetzung der Agitation gegen die Tarif— 
gemeinschaft, Festsetzung eines wöchentlichen Beitrags von 10 Pf. 
usw. — unternahm der Verbandsvorstand am 26. August 1897 eine 
Urabstimmung, um die Allgemeinheit über fernere Maßnahmen 
gegen die Opposition entscheiden zu lassen. Zu beantworten 
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