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1892-1896

Full text: 50 Jahre Gewerkschaftsarbeit (Public Domain)

Die Gehilfen wollen keinen Sieg, sondern nur Gerechtigkeit.“ 
AÄußerst lebhaft war die Debatte. Man bedauerte, daß die Ver— 
handlungen bis zum 11. März hinausgeschoben seien. Mehrere 
Redner hielten es fürs beste, die Forderungen auf neun— 
stündige Arbeitszeit und fünfzehnprozentige Lohnerhöhung am 
anderen Tage den Prinzipalen vorzulegen und bei Ablehnung 
in den Generalstreik einzutreten. Buchdruckereibesitzer Boll 
teilt mit, daß die Berliner Prinzipale zum Frieden geneigt sind. 
Sie haben schon in einem Telegramm an die Leipziger Führer 
bedauert, daß die von den Gehilfen beanspruchte Tarifrevision 
bereits eine Verschleppung erfahren. Buchdruckereibesitzer Bern— 
ste in ist mit der vorgeschlagenen Resolution einverstanden und er— 
klärt: Falls wider Erwarten seitens der Leitung des Deutschen 
Buchdrucker-Vereins den berechtigten Forderungen der Gehilfen 
nicht Rechnung getragen werden sollte, fühle er sich verpflichtet, die 
Angelegenheit sofort in die Hand zu nehmen und zu einem be— 
friedigenden Abschluß zu bringen. Ein Antrag, sofort in den 
Generalstreik einzutreten, wurde nach dringendem Abraten der 
führenden Kollegen abgelehnt und folgende Resolution einstimmig 
angenommen: 
„Die heutige, in Kellers Festsälen tagende, von gegen 4000 Buch— 
druckergehilfen besuchte Versammlung beschließt: Unter der Voraus— 
setzung, daß der Gehilfenschaft Deutschlands die selbständige Stellung 
ihrer Tarifvertretung gewahrt wird, den Vorstand des Verbandes der 
Deutschen Buchdrucker zu ersuchen, eine Tarifrevision in die Wege zu 
leiten, welche sich lediglich mit der Verkürzung der Arbeitszeit auf 
neun Stunden und einer Erhöhung der Grundpositionen des Tarifes 
um 15 Progzent zu beschäftigen hat. Die Versammlung spricht ihr 
Bedauern aus, daß der Termin zur Beantwortung des vom Zentral⸗ 
vorstande des Verbandes gestellten Antrages auf-Revision des Tarifs 
bereits eine Verschleppung bis zum 10. März erfahren hat, erwartet 
nunmehr aber bestimmt, daß die Vertreter der Prinzipale unmittelbar 
nach dem einmal vereinbarten Termine bereit sind, mit der Vertretung 
der Gehilfenschaft in Verhandlungen zu treten. Das Bureau der 
— DD 
dem Vorstande des Bundes der Berliner Buchdruckereibesitzer um— 
gehend zu übermitteln, und erwartet die Versammlung bis Mittwoch, 
den 4. März, mündlich oder schriftlich unbedingt eine Antwort über 
die Stellungnahme zu der Resolution“ 
Der am 4. März abgehaltenen Versammlung, die wieder so 
zahlreich besucht war, daß über 1000 Kollegen keinen Einlaß 
fanden, konnte Masssini die Antwort des Vorstandes des Bundes 
der Berliner Buchdruckereibesitzer auf vorstehende Resolution zum 
Vortrag bringen. In einem Schreiben erklärte sich derselbe bereit, 
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