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1879-1891/92

Full text: 50 Jahre Gewerkschaftsarbeit (Public Domain)

Die beantragte Sitzung der Tarifrevisionskommission kam 
nicht zustande. War der Vorstand des Deutschen Buchdrucker⸗ 
Vereins auch anfangs einer Revision des Anhanges nicht ab— 
geneigt, so lehnten die Prinzipale, nachdem der 1. Juli 1883 ver— 
strichen und eine definitive Kündigung des Anhanges nicht mehr 
borgenommen werden konnte, die in Aussicht gestellte Sitzung der 
Kommission ab. 
Da für den Anhang des Tarifs wie für den Lokalzuschlag 
örtliche Vereinbarungen zulässig waren, beschloß Berlin, örtlich 
vorzugehen und legte nach einem Bericht der Elferkommission in 
einer allgemeinen Versammlung am 15. April folgende Grund— 
fätze fest: 
„In Erwägung, daß die Erhebungen der Elferkommission zur 
Evideng beweisen, daß der zwischen Prinzipalen und Gehilfen ver— 
einbarte Tarif nur in den wenigsten Fällen zur Durchführung gelangt 
ist; in fernerer Erwägung, daß es allen rechtlich denkenden Prinzipalen 
daran gelegen sein muß, zur Beseitigung der überhandnehmenden 
Schmutzkonkurrenz, welche durch die Nichteinhaltung des Tarifs ge— 
fördert wird, die Hand zu bieten, beschließt die heutige allgemeine 
Buchdruckerversammlung: 
1. die Elferkommission wird zu einer Tarifkommission erklärt, 
welche die Geschäfte der Allagemeinheit bis zum 1. Januar 1884 zu 
führen hat; 
2. die Tarifkommission hat baldigst in Unterhandlungen mit den 
Pringzipalen zu treten, um gemeinsam mit denselben Schritte zur 
vollen Durchführung des Deutschen Normaltarifs vom 1. Oktober 1878 
mit 20 Prozent Lokalzuschlag zu beraten und zu beschließen; 
3. unbeschadet des ad 2 Gesagten können die Kollegen derjenigen 
Druckereien, in welchen weder der Tarif noch 20 Prozent Lokalzuschlag 
begahlt werden, selbständig zur Erreichung derselben vorgehen, haben 
jedoch vorher der Tarifkommission hiervon zur Prüfung und Beqgut- 
achtung Kenntnis zu geben; 
4. die Unterstützung für solche Kollegen, welche im Interesse der 
Durchführung des Tarifs inklusive 20 Progent Lokalzuschlag eintreten 
und dadurch genötigt sind, die Arbeit zu verlassen, beträgt 7 Mk. 
oro Woche. 
Betreffend Verwendung der eingezogenen 10 Pf.-Steuer 
wurde beschlossen: 
„1. Alle diejenigen, welche sich an dieser Steuer beteiligt und durch 
Eintreten für den Tarif in Konditionslosigkeit geraten, werden aus 
dem Ertrag derselben unterstützt. Die Unterstützung beträgt täaglich 
1Mk. und wird deren Dauer auf 8 Wochen festgesetzt. 
2. Jeder, der auf diese Unterstützung Anspruch erhebt, hat sich 
durch den Druckereikassierer resp. Vertrauensmann die Teilnahme an 
der Ansammlung des Unterstützungsfonds bescheinigen zu lassen. Nach 
Richtiagbefund der Beschwerde und wenn eine Vermittlung durch die 
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