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Zweiter Festtag

Full text: Jahrhundertfeier der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin / Schmidt, Erich (Public Domain)

Wär' es Schönfärberei, zu sagen, das Verhältnis zwischen 
Universität und Regierung sei im neunzehnten Jahrhundert 
durchweg ungetrübt gewesen und etwa die besonders gegen eine 
sehr wohl auf ruhigere Bahn zu leitende Jugend losgelaßne 
Reaktion ohne Bitternis empfunden worden, so ist nicht minder 
einzuräumen, daß in der akademischen Körperschaft bisweilen 
persönlich oder gildenmäßig menschliche Schwäche sich verraten 
habe. Doch ein starkes Gefühl von sittlichen Werten und 
Pflichten der Wissenschaft blieb und bleibt einzelnen, gottlob sehr 
seltenen Schwankungen gegenüber am Steuer. Die Gelehrten⸗ 
republik bedarf einer vom Hohen Ministerium in notwendigen 
Grenzen gegebenen und, wie wir mit aller Wärme hervorheben, 
beschirmten Autonomie: 
Denn soll der Mensch im Leibe leben, 
So brauchet er sein täglich Brot, 
Und soll er sich zum Geist erheben, 
So ist ihm seine Freiheit not. 
Was der Staat während eines Jahrhunderts für die 
Universitas als Gemeinde von Lehrenden und Lernenden, für 
die Universitas als Summe der Wissenschaften aufgeboten hat, 
ist unermeßlich. Wir sind getrost, unter den Fittichen des 
Schwarzen Adlers keine kalte ratio status, sondern eine belebende 
Staatsweisheit der Universität vorgeordnet zu sehn. 
Herr Oberbürgermeister Kirschner sprach im Namen der 
Stadt, deren große Spende er schließlich unter hellem Bei— 
fall ankündigte: 
Eure Majestäten! 
Eure Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten! 
Magnifizenz! 
Hochansehnliche Festversammlung! 
Die Stadt Berlin nimmt an der Hundertjahrfeier der 
Friedrich-Wilhelms-Universität den innigsten, freudigsten Anteil. 
Das lebhafte Interesse unserer Stadtgemeinde an der 
Universität beruht zunächst darauf, daß die Universität in
	        
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