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Mozart und Dittersdorf in Berlin

Full text: Berlin als Musikstadt / Weissmann, Adolf (Public Domain)

ihn bei massgebenden Persönlichkeiten anstossen. Sein Kommen hat nur 
Schwachen Wiederhall gefunden. Kurz: ein völliger Gleichklang von Men- 
schen- und Künstlertum. 
Dieser findet sich auch bei Dittersdorf. Er ist unter den Berlinern, 
denen er mit der „Liebe im Narrenhause“ und mit „Doktor und Apotheker“ 
keine künstlerische Unbequemlichkeit zugemutet hat, sehr populär. Auch 
die Musiker schätzen ihn. Dittersdorf sagt in seiner Autobiographie, er 
könne die Güte und Aufmerksamkeit, mit der er von Herrn Reichardt be- 
handelt worden, nicht genug rühmen. Es tut mir in der Seele weh, dass 
ich diesen nicht in Mozarts Gesellschaft seh. Ich glaube aber, dass auch 
die Eitelkeit des Königlichen Kapellmeisters, dem man doch diese Schwäche 
Nachsagen muss, dabei mit im Spiele war. Denn war auch der Intellekt 
in ihm stärker als die künstlerische Hingabe, war er, an Mozart gemessen, 
kein Genie zu nennen, so hätte er doch mehr als jeder andere die Fähigkeit 
besessen, ihn voll zu würdigen. Die Musiker hielten zu Dittersdorf, einem 
respektablen Könner, der ein wirksames Finale nach italienischem Muster 
auf die Beine stellte, und einem nicht gewöhnlichen Erfinder, dem die 
Gedanken leicht zuströmten. Er ist glatt in der Musik, platt im Text, hat 
also alles, was die zeitgenössischen Zuschauer, Hörer fesselt. Die Glätte 
überträgt sich auch auf den Menschen. Er ist einer der feinsten Diplo- 
Mmaten unter den Musikern. Er will es mit niemandem verderben, und 
seine Unterhaltungen mit dem Könige, mit Madame Rietz und dem 
Theaterdirektor Engel, die ein Urteil über lebende Musiker aus ihm her- 
auspressen wollten, zeigen ihn uns als einen Jongleur von ungewöhnlicher 
Meisterschaft. Ein solcher Mann hat alle Aussicht, Geld und Ehren zu 
gewinnen. Er kennt nicht die Unruhe des Genies, das eine Summe von 
Energie in antikapitalistischen Dingen verbraucht. Sein „Doktor und 
Apotheker“ soll auf dem Charlottenburger Theater aufgeführt werden. 
Der König, der ihn mit seinem ganzen edlen Kreise bekannt macht, bittet 
ihn selbst zu dirigieren. Also: für die Ehre ist gesorgt. Bald auch für 
Geld. „Nachdem ich zehn bis zwölf Tage in Berlin geräuschvoll durchlebt 
hatte, geriet ich auf die Spekulation, mein Oratorium „Hiob“ noch vor 
der Abreise der Erbstatthalterin zu meinem Benefiz zu geben“. Die Spe- 
kulation war nicht falsch. Reichardt erteilt ihm die nötigen Instruktionen, 
und der König bewilligt ihm die Königliche Kapelle und sogar das Opern- 
haus für diesen Zweck. Das war bis dahin unerhört, und der König weist 
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