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Das Mendelssohn-Intermezzo

Full text: Berlin als Musikstadt / Weissmann, Adolf (Public Domain)

Chorgesang in Berlin Mendelssohn ihren Dank abstatten müssen. Ein 
paar Jahre lang beschleunigt er ihr Tempo. Freilich: man kehrt nur zu 
bald zur Gemächlichkeit zurück. Denn es war nur ein Intermezzo. 
Die Aera Meyerbeer 
Der andere „juif errant“, von dem Spontini mit dem sächsischen 
Kapellmeister Richard Wagner sprach, war Giacomo Meyerbeer. Er 
wurde sein Nachfolger. 
Wir stehen vor einem bedeutungsvollen Punkt der Musikgeschichte 
Berlins. Denn noch bevor Theodor von Küstner im Sommer 1842 den 
zum Chef der neuen Hofmusik ernannten Grafen Redern in der General- 
intendantur ablöst, gibt es eine Richard Wagner-Frage in Berlin. Und 
unter der Anführung des Meisters selbst, der in der Hitze des begreif- 
lichen erbitterten Kampfes für die eigne Sache Erinnerungen und Rück- 
sichten bei Seite schob, weist ein Chor gedankenloser Nachbeter auf 
Meyerbeer als den Mitschuldigen, sobald von dem Missverhältnis Richard 
Wagners zu Berlin die Rede ist. Die fable convenue aber von der Perfidie 
Meyerbeers gegen Wagner ist durch das, was wir über des ersten Charakter 
wissen, und schliesslich durch die von Wilhelm Altmann veröffentlichten 
Verhandlungen Richard Wagners mit der Berliner Generalintendantur 
aktenmässig auf das gründlichste widerlegt worden. Meyerbeer hemmte 
Wagner soweit, als ein Schaffender den anderen durch seine Werke hem- 
men kann. Er tat nichts, um ihm den Weg zu versperren, viel, um ihn 
zu fördern. Wenn Wagner und Berlin sich so schlecht verstehen, so zeigt 
üns die vorangegangene Entwicklung, wie absurd es wäre, das Gegenteil 
zu erwarten. Einen Augenblick gaben wir uns der Täuschung hin, als sei 
Weber in Berlin und durch Berlin auf den Schild erhoben worden. Aber 
nur einen Augenblick. Denn wir erinnern uns, dass er im Innersten seines 
Wesens unverstanden blieb. Nur patriotischer Überschwang hatte ihm 
den Weg zu den Herzen gebahnt. Sprach der werdende Musikdramatiker 
wie in „Euryanthe“, dann zog man sich nach einer ersten Berührung scheu 
von ihm zurück. Richard Wagner zu verstehen, lag in dem kritischen 
Berlin kein Anlass vor. Noch eins. Spontini war für Berlin ein Unglück, 
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