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Aufschwung. Ein Beethovenfest

Full text: Berlin als Musikstadt / Weissmann, Adolf (Public Domain)

So tief also Hoffmann in die Beethovensche Sinfonie eindringt, sie 
wendet sich nur an den Romantiker in ihm. Sein phantastisch-ausschwei- 
fender Geist führt ihn im Bunde mit seinem hervorragenden Künstler- 
verstand geradewegs zu ihr. Dass ihm der ethische Kern des Beethoven- 
schen Kunstwerks verschlossen blieb, zeigt sein nachmaliger Frontwechsel 
in Sachen Spontinis. 
Knüpfen sich also allmählich Fäden zwischen Beethoven und dem 
geistig bedeutenden literarischen Berlin — auch Varnhagen und Rahels 
unzuverlässiger Beethovenkultus ist flüchtiger Erwähnung wert —, so 
treten persönliche Beziehungen hinzu. Und wieder ist es eine Frau, die 
dem verdüsterten Gemüt des Meisters Ausblicke in eine fröhliche Zukunft 
gewährt: Amalie Sebald, das ausgezeichnete Mitglied der Singakademie, 
steht 1811 in Teplitz mit Beethoven in freundschaftlichem Verkehr, und 
manches spricht dafür, dass der Meister mehr noch als Freundschaft für 
sie hegte. Während der nüchterne Zelter sich von Beethoven, wie sein 
Briefwechsel mit Goethe bezeugt, nur sehr langsam erobern lässt, findet 
dieser bei der warmempfindenden Sängerin herzliches Verstehen. Und es 
trifft sich seltsam, dass hier die Wege Beethovens und Webers zusam- 
menführen, dem die körperlich reizvolle wie geistig gleich hervorragende 
Amalie gleichfalls nähertrat. 
Ernst und stark aber war die Neigung, die den Fürsten Anton von 
Radziwill zu Beethovens Musik führte. Dieser edle Musikliebhaber, ein 
eifriger Cellist, übernimmt die Tradition der Adligen im Sinne des Fort- 
schritts, und seine Hausmusik zählt des Meisters Werke bald zu ihrem 
festen Bestand. 
Romantische Sehnsucht und norddeutscher Ernst verbrüdern sich so 
zur Anerkennung Beethovens. 
Dem Reinigungsprozess, der sich in der Politik vollzog, gesellt sich 
heimlich, aber sicher fortwirkend die ernste, deutsche Richtung der Musik. 
Man hat Musse genug, sich auf sich selbst zu besinnen, da die Not der 
Zeit den Wohlstand angetastet, erschüttert hat. Die öffentliche Musik- 
pflege, sehr stark von ihm abhängig, hat so gut wie aufgehört. Gewiss hat 
der Chronist auch von diesen Jahren, in denen die Musik geduldig besserer 
Zeiten harren muss, manches zu berichten. 
Die Singakademie muss zwar in dem kritischen Jahr 1806 ihre Übun- 
gen einstellen, kann aber 1807 wieder ordnungsgemäss tagen. Zelter kom- 
Weissmann, Berlin als Musikstadt. 
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1411
	        
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