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XVIII.

Full text: Der Millionenbauer / Kretzer, Max (Public Domain)

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Max Kretzer. 
erster Klasse an, bestieg dieselbe und ließ sich nach einer 
entfernten Vorstadt fahren. 
Am andern Tage befand sich das ganze Haus Köppke 
in größter Aufregung. Seit Jahren war es in der Familie 
nicht so laut hergegangen. Es war gleich nach Tisch, 
als Marie eintraf und sich ihrer Mutter sofort an die 
Brust warf. Sie sah sehr blaß aus und hatte allem An— 
scheine nach, wie gewöhnlich, sehr viel auf dem Herzen. 
Seit der letzten Szene mit ihrem Manne war es bereits 
das drittemal, daß sie in einer ähnlichen Verfassung hier 
auftauchte, um sich mit Henrietten in einen stillen Winkel 
zuruͤckzuziehen und dieser ihr Leid zu klagen. Zweimal 
war Köppke bei dem Erscheinen seiner Tochter nicht zu 
Hause gewesen. Heute hatte er sie kaum erblickt, als er 
sogleich auf sie losfuhr: 
„Na, kommt die Gnädige wieder mit ihrem Lamento? 
Jetzt sind die Alten wohl gut dazu, sich die Ohren voll— 
plärren zu lassen. Das kommt davon, wenn das Ei klüger 
als die Henne sein will ... Es wird sich ja wohl nun 
ausbaront haben.“ 
Man hatte ausnahmsweise spät gegessen; die Tafel war 
noch nicht abgeräumt. In Köppkes Gesicht war noch deut—⸗ 
lich die Wirkung des soeben genossenen Weines zu sehen. 
Der letzte am Tische war Fritz, den man durch die Por— 
tiere erblicken konnte, wie er einen Apfel schaͤlte. Die 
Worte seines Onkels belustigten ihn so sehr, daß er laut 
auflachte. 
„Du solltest dir derartige Redensarten ersparen,“ sagte 
Henriette aufgebracht zu ihrem Manne. „Die Sache wird 
nicht besser dadurch. Du horst doch das Lachen da drinnen. 
Ich werde ihm aber ...!“ Voller Entrüstung rauschte
	        
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