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Max Kretzer.
eine Zeitlang der Schrecken der Berliner Verbrecherwelt
gewesen war. Durch Hennicke, dem er sein ganzes Ver—
trauen schenkte, war er darauf gebracht worden. Vor
einiger Zeit hatte ein andrer Schöneberger Bauernmillionär
in einer ähnlichen Angelegenheit zu demselben Hilfsmittel
gegriffen und es sich viel Geld kosten lassen, um an sein
Ziel zu gelangen. Der Prozeß, der sich daraus entspann,
beschäftigte Schöneberg wochenlang; sämtliche Berliner
Zeitungen sprachen über die unerquickliche Angelegenheit,
die ein merkwürdiges Kulturbild an das Tageslicht ge—
fördert hatte.
Und so war es Hennicken nicht schwer gewesen, seinen
Freund von der Nutzanwendung desselben Gedankens zu
überzeugen.
„Was der kann, können wir auch“, hatte Köppke ge⸗
sagt und von einigen tausend Mark gesprochen, die er zu
diesem Zwecke einmal „springen“ lassen wolle. Sein
Rachedurst war durch nichts zu stillen. Wo er ging und
stand, bruütete er darüber nach, wodurch er sich Vergeltung
verschaffen könne. Das persönliche Schicksal Heckenstetts
wäre ihm schließlich gleichgültig gewesen, hätte er nur die
halbe Million wieder in seiner Tasche gehabt. Zuletzt
richtete sich seine ganze Wut gegen die Älteste, denn in
seinen Augen trug sie die Hauptschuld an allem, was man
ihm angetan hatte. Seit dem letzten Zusammentreffen mit
dem Major fühlte sich Köppke zeitweilig in gehobener
Stimmung. Mit beißendem Spott kam er immer wieder
auf die Abfertigung zurück, die er dem alten Freiherrn
habe zuteil werden lassen. Die „Weinbestellung“ spielte
dabei die Hauptrolle. Dieses Ausspritzen seiner Galle gab
ihm eine gewisse Befriedigung. Fritz, der sich ihm immer