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VII.

Full text: Der Millionenbauer / Kretzer, Max (Public Domain)

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Max Kretzer. 
Brusttasche zu fassen braucht, um weitere Zehntausend auf 
den Tisch zu legen, falls man es wünscht. 
Gleich nach seinem Eintritt in die Loge fing Rigard 
an, etwas verstimmt zu werden, denn es gehörte nicht viel 
Scharfsinn dazu, um zu bemerken, daß Dora ihr Inter⸗ 
esse sofort Heckenstett zuwandte und ihr verlockendstes 
Lächeln zeigte, das er jemals an ihr bewundert hatte. 
Sein größter Ärger war, daß Hugo das ganz selbstverständlich 
fand, seine liebenswürdigste Seite zeigte und so tat, als 
wäre sie seine Begleiterin und nicht die eines andern. 
Heckenstett fuͤhlte sich allerdings plötzlich wieder zu ihr 
hingezogen, und dafüuͤr konnte er nicht, denn ihr Anblick 
war ein wahrhaft bezaubernder. Er hatte nicht voraus⸗ 
gesetzt, sie noch schöner und reizender zu finden, als bei 
der ersten Begegnung, wo das duftige Kleid die erste 
Herausforderung zu seiner Annäherung war und die Um⸗ 
gebung seine Dreistigkeit entschuldigen mußte. Nun, in 
dem kokett sitzenden Barett, unter dem das schwere Haar 
wie ein goldblonder Strom hervorquoll, in dem geschmack⸗ 
vollen, marineblauen Kleide, das ihr wie angegossen saß, 
und in dem sie sich mit natürlicher Anmut bewegte, er⸗ 
schien sie ihm weit anziehender, gereifter, weiblicher. 
Das Kleinbürgerliche, das ihr im Garten und im Tanz⸗ 
saale angehaftet, hatte einer andern Art des Benehmens 
Platz gemacht; das Mädchen aus dem Volke fühlte sich 
jetzt als große Dame, der man es nicht ansehen durfte, 
daß sie während des ganzen Tages über den Stickrahmen 
gebeugt saß und mit der Nadel die mühselige Arbeit des 
Perlenaufziehens verrichtete. Bis auf die feinen Glacés 
und silbernen Schlangenarmbänder zeigte sich alles an ihr 
einfach und elegant; selbst der Fächer fehlte nicht. Und
	        
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