Path:
III. Der kleine Dög

Full text: Im Riesennest / Kretzer, Max (Public Domain)

83 
„Hahaha — singen hören! Ich soll immer 
nur singen, um euch die Zeit zu vertreiben! Was 
kümmert euch mein Gesang, — ich will nicht mehr 
singen, hört ihr's? Ich will nicht mehr singen! 
Deine Braut will mich hören? Das glaube ich, 
— aber ich will keine glückliche Braut mehr sehen, 
nie mehr! Habe ich der da drüben nicht genug 
vorgesungen, die schönsten Lieder? Das ist auch 
eine glückliche Braut, aber der arme Dög wußte 
es nicht, — natürlich wußte er es nicht; aber ge— 
sungen hat er doch immer, ich sage euch, die schön— 
sten Lieder, — ich habe sie auch geliebt, deshalb 
habe ich nur gesungen. Aber gelacht hat sie, als 
ich ihr's gesagt habe. Sie hat nur Mitleid mit 
mir gehabt, mit dem buckligen Dög, weiter nichts. 
Und das wollt ihr auch haben, — aber ich sage 
euch, wer es noch wagt, Mitleid mit mir zu 
haben, den — den zermalme ich, so wahr Gott 
lebt!“ Als er jetzt so dastand, da schien er um 
einen halben Fuß größer geworden. Die Lippen 
hatte er fest aufeinander gepreßt, und sein sonst 
bleiches Gesicht war noch fahler geworden, so daß 
die dunkeln Augen wie zwei schwarze Punkte aus 
ihren Höhlen hervorstarrten. Die Hände hatte er 
krampfhaft geballt, als wollte er wirklich in der 
nächsten Minute sein letztes Wort wahr machen. 
6*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.