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während die Steine nach allen Seiten zerbröckelten,
murmelte er immer weiter: „An die dreißig Taler
mag er wohl kosten.“ Es tat mir wirklich manch—
mal weh, Herr, daß ich dem guten Peter nicht
helfen konnte, aber es ging wirklich nicht.
Das ging so fort, als Peter die Kathi kennen
lernte. Er sie lieben und sie ihn wiederlieben war
eins. „Nächsten Winter machen wir Hochzeit,“
sagte er oft zu uns und nahm seinen schmutzigen
Geldbeutel hervor. „Aber den Anzug muß ich
just zur Hochzeit haben, — anders geht's nicht.
Ob er wohl wirklich ganze dreißig Taler kosten
wird?“ fragte er dann wieder plötzlich und nahm
sich dann fest vor, nächsten Sonntag zum erstenmal
in seinem Leben die Reise nach Berlin anzutreten
und beim Meister Zwirn Umschau zu halten.
Aber er tat's nie. „Sie lachen mich aus, — ich tu's
nicht —“, das war dann jedesmal sein Endwort,
aber der schwarze Anzug kam ihm doch nicht
aus dem Sinn. Dann nahte die Zeit, wo die
Kathi plötzlich krank wurde. Die Blattern herrschten
damals, und die Kathi bekam sie auch. Während
der ganzen Zeit der Krankheit hat der Peter nicht
ein einzigmal an seinen schwarzen Anzug gedacht,
— aber was er der Kathi von den Augen ablesen
konnte, — das hat er ihr zugewandt. „Kathi, —
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Kretzer, Im Riesennest.