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VII. Erlösung

Full text: Im Riesennest / Kretzer, Max (Public Domain)

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sammlerin nach dem Keller, welche die Üüberreste 
an Papier und alten Farbenlappen für einen ge— 
ringen Preis erstand, nicht für sich, die einsam da⸗ 
stand in der Welt, ohne Eltern, ohne Geschwister, 
ohne Liebe, — für einen alten, geizigen Produkten⸗ 
händler, der sie vor vielen Jahren mitten im Win⸗ 
ter, in Lumpen gehüllt, als hilfloses Kind vor 
seiner Tür gefunden hatte. Erst wollte er das arme 
Mädchen nur der Lumpen halber nehmen, dann 
aber dachte er daran, daß er auch mal alt werden 
könnte und einer Stütze bedürfe, und so behielt er 
das Kind und gab es seiner Nachbarin in Pflege. 
„Finda“ ließ er es taufen, weil er es gefunden 
hatte. 
Ein Unglück sucht gerne das andere auf, und 
so wurde Finda, die kaum zwölf Jahre alt war, die 
Freundin des stummen Christian. Zuerst kam sie 
immer des Vormittags, dann, als sie erfuhr, daß 
der arme Farbenreiber mittags allein zurückbleibe, 
kam sie nur um diese Zeit. Und immer hatte sie 
ein gutes Wort für ihn, so daß der arme Stumme 
manchmal die harten Hände der kleinen Finda 
krampfhaft in den seinen preßte und sie inbrünstig 
küßte; aus allen Winkeln suchte er ihr die Lumpen 
hervor, und es waren die schönsten und besten, die 
er für sie verwahrte. Einstmals wollte es der Zu—
	        
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