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sammlerin nach dem Keller, welche die Üüberreste
an Papier und alten Farbenlappen für einen ge—
ringen Preis erstand, nicht für sich, die einsam da⸗
stand in der Welt, ohne Eltern, ohne Geschwister,
ohne Liebe, — für einen alten, geizigen Produkten⸗
händler, der sie vor vielen Jahren mitten im Win⸗
ter, in Lumpen gehüllt, als hilfloses Kind vor
seiner Tür gefunden hatte. Erst wollte er das arme
Mädchen nur der Lumpen halber nehmen, dann
aber dachte er daran, daß er auch mal alt werden
könnte und einer Stütze bedürfe, und so behielt er
das Kind und gab es seiner Nachbarin in Pflege.
„Finda“ ließ er es taufen, weil er es gefunden
hatte.
Ein Unglück sucht gerne das andere auf, und
so wurde Finda, die kaum zwölf Jahre alt war, die
Freundin des stummen Christian. Zuerst kam sie
immer des Vormittags, dann, als sie erfuhr, daß
der arme Farbenreiber mittags allein zurückbleibe,
kam sie nur um diese Zeit. Und immer hatte sie
ein gutes Wort für ihn, so daß der arme Stumme
manchmal die harten Hände der kleinen Finda
krampfhaft in den seinen preßte und sie inbrünstig
küßte; aus allen Winkeln suchte er ihr die Lumpen
hervor, und es waren die schönsten und besten, die
er für sie verwahrte. Einstmals wollte es der Zu—