„Bemühen Sie sich nicht,“ bat Liane, „ich weiß
Bescheid. Ich pfeife auf Ihre Moral und weiß, daß
ich als ehrliche Kokotte genau so viel oder so wenig
wert bin wie jeder von Ihnen. Sie brauchen mich
also nicht gegen mich selbst in Schutz zu nehmen.“
„So sind Sie also gar nicht die Braut des Herrn
Helldorf?‘“ fragte der Geheimrat.
Liane lachte laut auf.
„Bravo, mein Freund!‘ rief sie. „Und woraus
schließt du das? Weil ich mir als Braut des Herrn
Helldorf nicht derart über mich selbst klar sein dürfte,
sondern die Pflicht hätte, mir etwas vorzuheucheln?“
„Auf diese Weise kommen wir jedenfalls nicht
weiter‘, sagte der Geheimrat.
„Nur so,‘ erwiderte Liane, „nur, indem wir die
Moral aus dem Spiele lassen. Was ich will, ist nichts
weiter, als daß du und deine Frau, vor allem auch der
Professor, überhaupt deine ganze moralische Familie,
erklären: die Vorwürfe gegen Luise haben sich als
unbegründet erwiesen; wir nehmen sie wieder bei
uns auf und billigen ihre Ehe mit Werner Geldern.“
„Das ist ganz unmöglich“, erwiderte der Geheimrat.
„Es wird eben möglich sein‘, erklärte Liane.
„Wollen Sie mir sagen, wie Sie sich das denken?“
fragte er.
„Indem du den Anfang machst“, erwiderte Liane,
„und die andern auf irgendeine Art bestimmst, dir zu
folgen.‘“
Der Geheimrat schüttelte den Kopf.
„Bist du noch, wie damals, der Vermögensverwalter
deiner Familie?“ fragte Liane.
„Allerdings.“
„So wird man den Herrschaften also leicht klar
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