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Volltext: Lu, die Kokotte / Landsberger, Artur (Public Domain)

„Bemühen Sie sich nicht,“ bat Liane, „ich weiß 
Bescheid. Ich pfeife auf Ihre Moral und weiß, daß 
ich als ehrliche Kokotte genau so viel oder so wenig 
wert bin wie jeder von Ihnen. Sie brauchen mich 
also nicht gegen mich selbst in Schutz zu nehmen.“ 
„So sind Sie also gar nicht die Braut des Herrn 
Helldorf?‘“ fragte der Geheimrat. 
Liane lachte laut auf. 
„Bravo, mein Freund!‘ rief sie. „Und woraus 
schließt du das? Weil ich mir als Braut des Herrn 
Helldorf nicht derart über mich selbst klar sein dürfte, 
sondern die Pflicht hätte, mir etwas vorzuheucheln?“ 
„Auf diese Weise kommen wir jedenfalls nicht 
weiter‘, sagte der Geheimrat. 
„Nur so,‘ erwiderte Liane, „nur, indem wir die 
Moral aus dem Spiele lassen. Was ich will, ist nichts 
weiter, als daß du und deine Frau, vor allem auch der 
Professor, überhaupt deine ganze moralische Familie, 
erklären: die Vorwürfe gegen Luise haben sich als 
unbegründet erwiesen; wir nehmen sie wieder bei 
uns auf und billigen ihre Ehe mit Werner Geldern.“ 
„Das ist ganz unmöglich“, erwiderte der Geheimrat. 
„Es wird eben möglich sein‘, erklärte Liane. 
„Wollen Sie mir sagen, wie Sie sich das denken?“ 
fragte er. 
„Indem du den Anfang machst“, erwiderte Liane, 
„und die andern auf irgendeine Art bestimmst, dir zu 
folgen.‘“ 
Der Geheimrat schüttelte den Kopf. 
„Bist du noch, wie damals, der Vermögensverwalter 
deiner Familie?“ fragte Liane. 
„Allerdings.“ 
„So wird man den Herrschaften also leicht klar 
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