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XXXIV.

Full text: Lu, die Kokotte / Landsberger, Artur (Public Domain)

„Was macht er denn?‘ fragte der Schwiegersohn, 
ohne von seinem Teller aufzusehen. 
„Er arbeitet.‘ 
„So‘‘, sagte die Tochter. 
„Ja‘‘, erwiderte der Alte. 
„Was denn?‘ fragte der Schwiegersohn und schob 
das Gemüse zusammen. 
„Er schreibt ein Buch.‘ 
„Was für ’n Buch?“ 
„Die Geschichte der Moral.‘ 
„Der hat’s nötig, über Moral zu schreiben‘, meinte 
die Tochter. 
„Er weist darin nach, daß die Moralbegriffe zu 
allen Zeiten verschiedene waren; daß, was wir heute 
für unmoralisch halten, einst für den Gipfel der Moral 
gegolten hat, und umgekehrt.“ 
„Damit sucht er sich wohl zu rechtfertigen?‘ fragte 
die Tochter. 
„Ich wüßte nicht, wofür‘, meinte der Alte. 
Die Tochter legte Messer und Gabel hin und sah 
ihren Mann an. 
„Verstehst du PapaP‘“ fragte sie ihn. 
„Nein“, gab er zur Antwort und aß weiter. 
„Werner hat doch am meisten von uns allen dabei 
gelitten‘, sagte der Alte. „Wofür sollte er sich also 
rechtfertigen?“ 
„Für den Skandal‘, erwiderte die Tochter. 
„Den er nicht verschuldet hat?‘ fragie der Alte. 
„Als ob es darauf ankäme‘‘, erwiderte sie. 
Und der Schwiegersohn, der fertig mit Essen war, 
wischte sich den Mund, schob den Teller zur Seite und 
sagte: 
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