1839 —
„Rede doch nicht solchen Unsinn!“ wehrte sie
nervös ab und drückte sich unwillkürlich an ihn und
umschlang ihn mit ihren Armen.
Er küßte sie, dann nahm er ihr Gesicht zwischen
beide Hände und sah ihr tief in die Augen. Ein
tiefer Ernst breitete sich über seine Züge.
„Es ist kein Unsinn, Klara. Ich konnte und
wollte so nicht weiter leben. Das Gefühl, für Dich
eine Last zu sein, tötete ja alle Lebenslust in mir.
Was nützt Dir ein Bräutigam, der Dich nicht hei—
raten kann? Doch“ — er lächelte und zog sie
neben sich auf einen Stuhl — „wozu sich jetzt noch
mit so überflüssigen Gedanken den Kopf warm
machen! Jetzt hat ja alle Not, aller Jammer ein
Ende. Das kannst Du mir glauben: ich werde
mich ganz gehörig zusammenreißen. Nicht rechts,
nicht links will ich sehen — meine Pflicht erfüllen,
aber ordentlich! Und die leidige Empfindlichkeit
werde ich mir auch abgewöhnen, das gelobe ich
Dir. Kurz: der Prinzipal soll mit mir zufrieden
sein. Und wenn ich die erste Zulage erhalte, dann,
Klara, dann gibst Du Deine Stellung auf, dann
wird geheiratet.“
„Er schwärmte ihr noch eine ganze Weile von
der schönen Zukunft vor, die seine lebhafte Phan—
tasie, seine glückliche Ahnungslosigkeit ihm vor⸗
gaukelte. In Klara aber wechselten Hoffnung und
Mutlosigkeit, Entzücken und Verzweiflung. Hatte
sie denn noch das Anrecht an eine frohe Zukunft?