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VI.

Volltext : Berliner Mädel / Zapp, Arthur (Public Domain)

1009 —

mit einer ganz leisen Nuance der Enttäuschung.
„Also Du meinst —?“
„Daß Du vorläufig noch Deine Stellung als
Lageristin behältst. Ja! Sieh mal, Schatz, es
geht ja nicht anders. Not leiden wollen wir doch
nicht und ein anderer Weg bleibt uns nicht. Zu—
lage kann ich jetzt noch nicht verlangen, abgesehen
davon, daß uns mit vielleicht zehn Mark monatlich
mehr auch nicht geholfen wäre! Oder sollen wir
etwa warten, neun oder zehn Jahre, bis ich mal
vielleicht eine bessere Stellung habe oder sonst ein
Glücksfall eintrifft? Oder sollen wir gar auf
einander verzichten und unsere Liebe in uns er⸗
drosseln, erwürgen, ersticken? Willst Du das,
Frieda?“

Er sah sie erwartungsvoll, mit zuckenden, er—
hitzten Mienen an. Ein Strahlen und Leuchten
ging über ihr Gesicht.
„Nein, nein, nein!“ rief sie voll Begeisterung.
Er nickte sichtlich.
„Ich wußte es ja, Du wirst das nicht wollen.
Du wirst nicht wollen, daß wir uns an den Meist⸗
bietenden, oder an die Meistbietende verschachern
und daß wir unser Leben in Mißmut und Ver⸗
drießlichkeit und in Kälte und Unlust dahinschlep—
pen, denn ohne Liebe gibt's kein wahres Glück. Und
aller Reichtum und Überfluß können einen nicht
für den Mangel an Liebe entschädigen. Nicht,
Frieda?“
            
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