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XXVI.

Full text: Unser Haus / Hollaender, Felix (Public Domain)

244 — 
„Bitte, nehmen Sie keine Ruͤcksicht auf mich — 
ich bedarf keiner Schonung.“ 
„Das weiß Gott“, entgegnete er. „Denn da, 
wo bei anderen ein Gefuͤhl ist, sehe ich bei Ihnen 
nur Haͤrte und Trotz.“ 
Sie schlug die Augen groß auf und sah ihn eine 
Weile durchdringend an. 
Ich saß unmittelbar in ihrer Naͤhe und wagte 
mich nicht fortzuruͤhren — ich hatte das Empfinden, 
ich muͤßte zur Stelle sein und ihr beistehen gegen 
diesen Menschen, von dem ihr Boͤses drohte. Viel⸗ 
leicht war es auch etwas von ruchloser Neugier, das 
mich an meinen Platz gebannt hielt. Ich glaubte, 
in ihre Seele zu sehen, die wund und huͤllenlos da⸗ 
lag — und bei der leisesten Beruͤhrung schmerzhaft 
aufschrie. 
„Ich bin nicht der schlechte Kerl, fuͤr den Sie 
mich halten,“ sagte nach langem Stillschweigen der 
Leutnant. 
„Sie sind noch viel schlechter, als man ahnt, ein 
Mensch ohne Charakter sind Sie.“ 
Leutnant Dorn lachte grell auf. 
„Da hat man sich ein ganzes Leben hindurch 
ehrlich durchgeschlagen, hat dem Schicksal, das einen 
hin⸗ und hergeworfen, getrotzt und nicht mit der 
Wimper gezuckt, wenn ein Hieb nach dem anderen
	        
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