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Full text: Unser Haus / Hollaender, Felix (Public Domain)

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Tante Minna war die Aufopferung in Person 
sie gab den letzten Groschen hin, wenn Not am 
Manne war. 
Tante Wohl war im Vergleich zu ihr engherzig 
sie dachte nur ans Sparen und schalt die 
Schwester wegen ihres Leichtsinns. 
Die Tanten traten also in dem geschilderten 
Aufzug in Berlin an, und versetzten meine Mutter 
trotz aller Hochachtung, die sie den Schwaͤgerinnen 
entgegenbrachte, in einen gelinden Schreck. 
Der Vater begriff die Mutter nicht. Er war 
so geruͤhrt und begluͤckt durch die Anwesenheit der 
Schwestern, daß er ordentlich verjuͤngt schien. 
Tante Minna mußte seinen rechten und Tante 
Jettchen seinen linken Arm nehmen, und so zog 
er — dem das Gehen sauer fiel — mit ihnen 
durch die Straßen, um ihnen Berlins Sehens— 
wuͤrdigkeiten zu zeigen und zu erklaͤren. Was 
kuͤmmerte es ihn, daß die Berliner dem selt—⸗ 
samen Trio nachschauten, sich vor Lachen in 
die Seiten kniffen und hinter ihnen schlechte Witze 
rissen! 
Die Tanten wollten gar nicht so viel sehen und 
toͤren. Aber darin war der Vater unerbittlich. 
„Nach Berlin werdet ihr ein zweites Mal nicht 
kommen, und bis an euer Lebensende muͤßt ihr von 
den Eindruͤcken zehren“, sagte er.
	        
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