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„Matje muͤssen Sie heiraten,“ erklaͤrt Herr Heiko.
„Wissen Sie nicht, wer Matje ist? Matie ist ein sehr
reicher Mann. Wenn Sie den nehmen, koͤnnen Sie
sich ganz Schubitz kaufen.“
Anne sieht ihn groß an. Er macht sich gewiß uͤber
sie lustig, der Herr Heiko ...
„Nein, Anne, sehen Sie mich nicht so an, der ist
wirklich so reich. Sie muͤssen doch auch schon gemerkt
haben, was er fuͤr Geschaͤfte macht. Wo man hin⸗
guckt, uͤberall gibt es Matjes-Heringe.“
Ach, denkt Anne Lasius, sie hat gar nicht gewußt,
daß der Herr Matje von den kleinen Matjesheringen
ein Mann sei. Aber sie ist schon im Dorf immer etwas
dumm gewesen.
„Wann wollen Sie denn mit den Stuben fertig
werden? Es geht ja schon auf zwoͤlfe,“ treibt Milly
Paegelow sie an. Milly ist das erste Maͤdchen, sie
nur das zweite, der Nachwuchs, die Hilfe. „Vergessen
Sie nicht den Scheuerlappen mit hineinzunehmen,
damit der Dreck nicht wieder liegen bleibt. In so ein
feines Haus gehoͤrt kein Dreck, Sie kleines Dussel.“
Sie zittert ein wenig, da sie sich in die Stuben
verliert. Als sie einen duͤrftigen Zweig im Hofe gruͤnen
sieht, denkt sie geruͤhrt an die Linden, die sich zu Hause
an der Dorfstraße um den Brunnen, schwer und voll⸗
belastet, niederbuͤcken. Sie denkt an Lina Weise, an
Trine Fiebusch und Fiechen Damonigkeit, und waͤh⸗
rend ihr Vater und Mutter einfallen, rutscht sie auf