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Adolf Glaßbrenner. Ein Volksdichter aus der Zeit der Deutschen Revolution

Volltext: Unterm Brennglas / Glaßbrenner, Adolf (Public Domain)

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Politische Typen 
verlörpert ist, so wie er es von seinem politisch⸗radikalen Stand- 
punkte aus sah⸗ Er hat die politische Sphäre nicht ĩn dem Maße 
satirisch ausgeschöpft wie der geniale Giusti, aber was er sah 
und gab, ist, von der Auslese des Besten gesprochen, rund und ganz. 
Natürlich kommen bei ihm jene Typen am besten zu Fleisch 
und Blut, denen er in der Gesinnung und Klassenstellung am 
nächsten war. Figuren wie den Guckkästner und den Rentier Buffey, 
also den armen Proletarier mit dem Groll der getäuschten politifchen 
Hoffnungen der Befreiungskriegzeit und, den bildungseifrigen 
materiell gesicherten Kleinbuͤrger mit dem erwachenden politischen 
Arteilsbedürfnis und Widerspruchstrotz, solche Typen lebte er 
unmittelbar aus sich heraus. Die Typen aber, die den politischen 
Gegner kennzeichnen sollten, sah er so, wie der Jäger ein Wild 
einzig auf die beste Schußstelle hin bespäht und todbringend an— 
zielt. All diese schnell erfaßten Typen waren zeitlich wichtig 
genug, daß er sie durch anderthalb Jahrzehnte hin in seinen 
Schriften immerfort wiederkehren lassen durfte. Sie griffen sich 
nicht ab, wurden nicht leer; der Tag und Kampf und vollkräftige 
Humor, aus dem sie lebten, erhielt ihre Linie stark, ihre Farbe 
frisch, und lachend haben die Volksschichten, denen fie entstammten, 
fie als Wortführer und Kampfplänkler gelten lassen. Einstweilen 
war ja der Opposition unter dem herrschenden Druck nichts anderes 
als ein plänkelndes Kämpfen möglich. Varnhagen von Ense hat 
gesagt, Glaßbrenners Schriften seien „von unberechenbarer Wirkung 
auf die Volksstimmung“ gewesen. 
Jener Tag ist nun längst verrauscht, und die Volksschichten, 
die Glaßbrenner beobachtete, haben sich unter dem Einfluß neuer 
Zeiten in ihren Grundlagen, Eigenschaften und Formen gewandelt. 
Aber die Sprache des Berliner Volkswitzes hat ihre Eigenart 
nicht eingebüßt, fie ist gesund vererbt worden. Von den Kampf- 
zielen, denen fie einst diente, ist manches bedeutsame Stück bis 
heute herauf unerledigt geblieben, und wenn auch Glaßbrenners 
kernige Lust, den Gegner mit Ohrfeigen und Prügeln, Büchsen und 
Barrikaden zu berennen, heute von wirkungsvolleren Kampf⸗ 
mitteln abgelöst worden ist, so paßt doch auf manches aus dem 
neuen Kampfe wenigstens bildlich das, was damals dagewesen ist. 
Immer noch haben wir unser pralles Bündel fühlbarer Er— 
innerung an den Absolutismus zu tragen, immer noch hockt der 
heilige Bureaukratius auf dem ledernen Schreibbock in dunstigen 
Amtsstuben, und der Polizeirock leistet sich am hellen Tage immer 
neue Auffärbungen seiner alten Büttelmontur. In urwüchsigen 
Satiren und Karrikaturen typischer Figuren versinnlicht sich das 
Volk in Zorn, Spott und Hohn diesen kulturwidrigen, mottenreifen 
Befitz, und da eben gibt's für den alten Brennglashumor, für 
seine grobherrlichen Derbheiten der Vollkssprache, für seinen 
Kalauerwitz sogar, noch heute genug aufzudecken, anzukitzeln und 
mit Brennmarken zu bestempeln. Wie von den Gebrechen,
	        
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