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Revolution

Full text: Unterm Brennglas / Glaßbrenner, Adolf (Public Domain)

Revolution 
Guckkästner: Was sind Sie'n von Metier? 
Schneider Aettrich: Schneider. 
Guckkästner: Aha! Ich danke Ihnen für jütige Auskunft. 
Zweiter Junge: Wenn die andern Bilder von alle die 
Revolutionen ooch so lange dauern, denn sehn wir hier morgen 
früh de Sonne ufjehen. 
Gudkästner: Sein Se nich angst. Vor de Revolutionen 
is se nich ufjejangen, un jetzt verkrümelt se sich ooch schon wieder. 
Se jeht immer blutrot uf, de Sonne, un es is noch sehr früh 
Morjens jetzt, wenn wir heute ooch schon halb Zehne Abends 
haben. Aeberjens schießen Sie sehr vorbei, wenn Sie jlooben, det 
ick Ihnen hier alle die jroßen Ereignisse von'n Februͤar an vor— 
führen werde. So viel Zeit hat Cornelius nicht jehabt, um mir 
die für mein Museum hier auszuführen. Die können Sie fich malen 
laren. Ich habe hier blos die Haupt bejebenheiten als jlorreiche 
Erinnerung. Vor Jeschichte bin ick hier unter'n Linden nich 
anjestellt. Die können Se da drüben in de Unneversetät kriegen ... 
Eine Hökerin sschreiend]: Bücklinge! Bücklinge! 
Gudkästner serschrickts: Jott bewahre, diese alte, heifre 
Stimme! sFortfahrend]: Die können Se da drüben in de Anne⸗ 
versetät kriegen, wenn Se hören wollen! 
Zweiter Junge: Ne! 
Guckkästner: Na denn werden Se fühlen müssen, wie 
Ihnen des meine andern Jemälde beweisen werden. — Rrrrr, ein 
andres Bild! Pathetisch]: Hür, meine Herrschaften, präsentiert 
sich Ihnen die jroße zuvorkommende Abdankung Seiner Majestät 
Ludwigs von Baiern mit dem oberpfälzischen Herzen. Seine 
jetreuen, in ewiger Hochachtung verbleibenden AUnterthanen stehen 
mit innigster Freude umher und man sieht kein Auge, welches je— 
rührt is ... 
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Schneider Aettrich: Es war sehr undankbar von de 
Baiern, da doch Ludwig immer des Beste jewollt hat. 
Guckkästner: Janz Recht, wie alle Fürsten. Un fie haben 
es sich ooch jenommen. Aber jetzt wollen Wir das Beste.... 
Schneider Aettrich Itrodnnet sich die Augen]): Des is 
sehr rührend, des Bild von einen abjedankt habenden juten König. 
Guckkästner lIschluchzend]: Ja, et is schändlich! Es is jar 
nich zu bejreifen, wie die Deutschen — die treuen Untertanen — 
sich so ausländisch in diesem Jahre benehmen konnten. JHeftig 
weinend]: Wie Kinder hat man se behandelt, — wie dumme Jun— 
gens bedrogen — wie Hunde mit Füßen jetreten — un — dabei 
doch dieses jute, sanfte Herzl Wir werden bald wieder bitten, 
die Pollezei möchte so jut sein, un die vorjefallene Weltjeschichte 
verjessen; wir würden es nie wieder dhun, sondern künftig recht 
artig werden.
	        
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