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Im "Weißen Kreuz" zu rostock 1898

Full text: Erinnerungen / Trojan, Johannes (Public Domain)

D, 265 —— 
Wosel noch mancherlei, was auf Kinkel Bezug 
hatte, zu hören bekam. Ich lernte dort einen Mül— 
ler Namens Moog kennen, der im schönen Kauten— 
bachtal eine Mühle besaß. Der sagte zu mir, als 
wir beim Moselwein mit einander plauderten „Zu 
den angenehmsten Erinnerungen aus meinen jun⸗— 
gen Jahren gehört es, daß ich einmal dem Dichter 
Gottfried Kinkel gefällig und nützlich sein konnte.“ 
Nachdem wir ihn gefragt hatten, wie er dazu ge— 
kommen wäre, sagte er: 
„Das war so. Im Sommer 1849 war ich Sol⸗ 
dat und stand bei den Pionieren. Mit diesen 
ging ich nach Baden und half dabei, die Revo— 
lution niederzuwerfen. Bei der Gelegenheit kam 
ich nach Vastatt, als wir es eingenommen hatten. 
Dabei wurden Viele gefangen genommen und An— 
dere wurden als Gefangene auf die Festung ge— 
bracht. Unter den letzteren befand sich Gottfried 
Kinkel, von dem ich schon gehört hatte. Der Dich— 
ter interessierte mich und tat mir sehr leid. Nun 
begab es sich, daß ich, weil ich etwas gelernt hatte, 
dazu auch anstellig war — so scheint wenigstens 
angenommen worden zu sein — und eine gute 
Hand schrieb, in das Bureau der Festung über— 
nommen wurde. Darüber war ich sehr froh, weil 
ich dadurch Gelegenheit bekam, dann und wann 
dem gefangenen Dichter einen Dienst zu leisten.
	        
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