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rade dieser Wein das Getränk sei, durch das sie
auf die angenehmste Weise aus ihrem natürlichen
Phlegma herauszuschmeicheln waren. Dann ka⸗—
men die Engländer dahinter, daß gegen ihre Na—
tionalkrankheit, den Spleen, der so furchtbare Ver—
wüstungen unter ihnen anrichtet, der Woselwein
ein besseres Remedium sei als der Portwein und
der Sherry, die bis dahin von ihren Arzten da—
gegen verordnet worden waren. Sie gehören auch
heute noch zu den besten Kunden der Winzer an
der Mosel und zwar ziehen sie, was in meinen
Augen nicht gegen sie spricht, immer noch den äl—
teren Wein dem jungen vor. Sonst wird überall
der junge prickelnde Wein mehr begehrt, weil er,
so wird gesagt, für unser nervöses Zeitalter am
besten paßt. Ob nun für ein nervöses Zeitalter ein
prickelnder Wein gerade der beste ist, will ich
dahingestellt sein lassen.
Wie dem auch sei, Woselwein zu trinken ist
in aller Welt Mode geworden, und das hat be—
wirkt, daß die Moselweinpreise ungemein in die
Höhe gegangen sind. Davon hat die ganze Gegend
Vorteil, nicht der große Winzer allein, sondern
auch der kleine Mann, der auf seinem Stückchen
Weinberg nur ein paar Zentner Trauben gewinnt,
und der Arbeiter, der guten Lohn erhält. Und
was hat außer dem Winzer und Küfer nicht alles