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Weinlese an der Mosel 1894

Full text: Erinnerungen / Trojan, Johannes (Public Domain)

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bacher, die am anderen Ufer Weinberge haben, 
konnten ihre Trauben nicht hinüberbringen und 
mußten in Traben keltern. 
Der Nordländer stellt sich die Weinlese ge— 
woͤhnlich als ein überaus fröhliches Fest vor, und 
einen festlichen Charakter hat sie auch in vielen 
Gegenden, in der Pfalz und in Schwaben, in 
Grünberg sogar. Es wird geschossen, Feuerwerk 
abgebrannt, gesungen, musiziert und getanzt. Von 
solchen festlichen Veranstaltungen ist an der Mosel 
nicht die Rede, außer daß beim Lesen gesungen 
wird, aber auch das geschieht nur bei schönem 
Wetter. Im Äübrigen bedeutet überall, wo Wein 
gebaut wird, die Lese für diejenigen, die dabei 
mit tätig sind, eine Zeit ernster und schwerer Ar—⸗ 
beit. Der Weinstock ist so leicht nicht abzuernten, 
und die Trauben lassen sich auch so leicht nicht ein— 
bringen wie das auf dem Felde stehende Korn. 
Weil nun so viel damit zu tun ist, kann dem Wein⸗ 
bauern nichts ungelegener kommen als Fremden⸗ 
besuch in der Lesezeit. Es ist ihm ganz und gar 
nicht möglich, sich um den Gast zu kümmern, ihn 
umherzuführen und für sein Vergnügen zu sorgen. 
Weil ich das wußte, hatte ich meine Sachen vom 
Bahnhof nach dem Hotel Feißt schaffen lassen; 
ich wollte meinem alten Gastfreunde in Traben, 
bei dem ich in so manchem Frühling schon ein—
	        
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