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Mit Heinrich Seidel in der Rostocker Heide

Full text: Erinnerungen / Trojan, Johannes (Public Domain)

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gedacht, wir müßten einander Du nennen, aber 
wir waren doch schon beide in dem Alter, in dem 
solcher Pakt nicht so leicht mehr abgeschlossen wird 
wie in jungen Jahren. 1883 aber war ich, wie ich 
schon sagte, im Herbst — es war schon spät im 
September — noch allein da an der See. Den 
ganzen Tag war ich in der Heide herumgewandert 
und kehrte am Abend im Badeort Groß⸗MWüritz, 
der zwischen Wald und See liegt, im dortigen 
Gasthof ein. Alle Badegäste waren längst fort, 
ich saß ganz allein da am Tisch. Da faßte ich mir 
ein Herz und schrieb an Seidel einen Brief, in 
dem ich ihm das trauliche Du anbot. Als ich 
dann nach Berlin zurückgekehrt war, erhielt ich von 
ihm brieflich die Antwort, daß er angenommen 
habe. Bald darauf schlossen unsere Frauen Schwe— 
sterschaft. 
Im Wirtshaus zur Stranddistel haben wir, 
wie ich erzählte, nach dem erstenmal oft noch ge— 
rastet. Wir gaben uns ein Stelldichein dort, auch 
wenn jeder von uns beiden an einem anderen Ort 
seine Sommerfrische abhielt. Einmal war ich in 
Wustrow, das auf dem Fischland bei Ahrenshoop 
an der pommerschen Grenze liegt, er aber in 
Warnemünde. Da haͤtte er bis zur Hoogen Snut 
nur zwei Stunden, ich aber reichlich fünf zu mar— 
schieren. Dazu hatte ich noch ziemlich schwer zu
	        
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