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gedacht, wir müßten einander Du nennen, aber
wir waren doch schon beide in dem Alter, in dem
solcher Pakt nicht so leicht mehr abgeschlossen wird
wie in jungen Jahren. 1883 aber war ich, wie ich
schon sagte, im Herbst — es war schon spät im
September — noch allein da an der See. Den
ganzen Tag war ich in der Heide herumgewandert
und kehrte am Abend im Badeort Groß⸗MWüritz,
der zwischen Wald und See liegt, im dortigen
Gasthof ein. Alle Badegäste waren längst fort,
ich saß ganz allein da am Tisch. Da faßte ich mir
ein Herz und schrieb an Seidel einen Brief, in
dem ich ihm das trauliche Du anbot. Als ich
dann nach Berlin zurückgekehrt war, erhielt ich von
ihm brieflich die Antwort, daß er angenommen
habe. Bald darauf schlossen unsere Frauen Schwe—
sterschaft.
Im Wirtshaus zur Stranddistel haben wir,
wie ich erzählte, nach dem erstenmal oft noch ge—
rastet. Wir gaben uns ein Stelldichein dort, auch
wenn jeder von uns beiden an einem anderen Ort
seine Sommerfrische abhielt. Einmal war ich in
Wustrow, das auf dem Fischland bei Ahrenshoop
an der pommerschen Grenze liegt, er aber in
Warnemünde. Da haͤtte er bis zur Hoogen Snut
nur zwei Stunden, ich aber reichlich fünf zu mar—
schieren. Dazu hatte ich noch ziemlich schwer zu