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in einem Briefe an jeine „lieben Maßdorfer“: „Am Sreitag
den 19. Januar, habe ih dann dem Königspaar die Sreude
meiner Befanntichaft gejhenit, infoweit diejelbe darin be-
jtehen fan, daß ich ihm bei der Defiliercour auf ziria [ehs
Schritte Entfernung zwei Komplimente machte — gefehen
habe id eigentlid) nicht das Geringjte! CLekßteres muß
meiner Anficht nach jedem fo gehen, der auf den Kneifer zum
Sehen angewiejen ijt, ohne denfelben hier gebrauchen 3u
fönnen. Außerdem taucht man im feierlidhiten Momente
zweimal unter, gleichzeitig wird einem der eigene Name durch
eine laute Stimme in Erinnerung gebracht, und man wanit
umflorten Blids aus dem Saal unter den entjeßlichjten Selbit-
vorwürfen über die ungefchidten Komplimente, Dieje Be-
fchreibung ijt wirklidy nicht fehr viel übertrieben; denn ich
fann in Wahrheit Jagen, daß ich gar nicht einmal genau weiß,
wo der Kaijer und die Kaiferin eigentlidH jaßen. Don der
leßteren befonders habe ih in der Hauptjadhhe den Eindrud
einer großen toten Malie (die Toilette), da ih von weiteren
Umrijien nichts erfennen fonnte. — Nichtsdefjtoweniger hoffe
ic, daß das Kaiferpaar, wenn es nicht ebenjo befangen ge-
wejen ift wie id), einen defto tieferen Eindrud von mir er-
halten hat. Während eines Moments befand ich mich in einer
Enge, wie fie im tolliten Dolfsgedränge nicht ärger ijt. I
wurde willenlos hin und hergefjhoben, irat einem armen
Nebenmenfdhen derartig auf den Suß, daß ich fjelbjt ordent-
lid den Schmerz fühlte. Meinen vom Hut gerifjenen Haar-
bufcd) errettete id) nur dur einen fidheren Siugihuß vom
Untergange — und wurde ich fhließlidhh durd) die hohen prä:
fidialen Armiräfte Wallenbergs, der wie ein Mann an meiner
Seite focht, wieder auf jidheren Boden geltellt.
Mit Ausnahme diejes heißen (!) Gefechts ijt’s mir aber