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Rüden ihn zu quälen, auch Übelkeit, die ihn ja in den lebten
Jahren dann und wann heimfuchte, trat auf, Was der eigent-
lie Grund des Leidens war, Konnte auch der Arzt, Dr. Salo-
mon, nicht recht fejtjtellen; er meinte, es jei möglidherweife
Rheumatismus. Majfieren und Einreibungen halfen nur
iurze Zeit, die Schmerzen Iehrten am Nachmittage verftärkt
wieder, jo daß R. auf Anraten des Arztes etwas Morphium
nahm. Erijt am Donnerstag vormittag trat eine gewijje Beffe-
rung ein; aber die Erfenntnis, daß es fidh um ein ernjieres
Leiden handele, wuchs hei ihm felbit und hei denen, die ihn
in diejen Tagen fahen und [pradhen. Der Gedanke, Berlin zu
verlaffen und Erholung bei jeinen Gejdhwijtern 3u fucdhen, wahr-
{einlidh bei dem Giersdorfer Bruder, wurde von ihm erörtert.
Dieje Tage find mir in [Hmerzlichjter Erinnerung. Den
fräftigen Mann [o unter jtarfen Schmerzen daliegen zu jehen —
er tuhte immer angefleidet auf dem Heinen Sofa in feinem
Wohnzimmer — war für jeden, der ihn Kiebte, ergreifend.
Immerhin hielt niemand von uns die Krankheit für lebens-
gefährlich, und fo wurde R.’s Samilie nicht benachrichtigt.
Sräulein Kreyjern, Dr. Salomon, Seiretär Sommer und ich,
Konfijtorialpräfident Balan und Graf Pücdler — alle waren
namentlid) am Donnerstag Mittag der Meinung, daß der Höhe-
punit der Krankheit überfchritten jei. Auch die längeren Unter-
haltungen, die namentliq) Präjident Balan und auch Graf
Püdler mit ipm am Mittwoch und Donnerstag hatten, [Hienen
zu zeigen, daß zum mindejten der Geift no) frijdh und un-
getrübt war. Mir, der id R. etwa drei: oder viermal in den
beiden Tagen Iurz befuchte, fiel allerdings am Donnerstag
Abend 7 Uhr ein gewiffes apathijdhes Wefjen auf. Denn als ich
ipm von der gut bejuchten Donnerstagsverjammlung der
Bäderabteilung berichtete, der ih beigewohnt hatte, fragte er
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