-6 425 S°-—
räumig und gut genug für lange Zeit. Doch mußte schließlich
dem Geheiß der Königlichen Regierung, als Patronatsinhaberin
Folge gegeben werden. Die letzrere gab 35000 Mark für den
Neubau her, während die Gemeinde noch 70000 Mark opfern
mußte.
Der Platz für die neue Kirche war bald gefunden, in
der Richtung der allen und neben ihr wurde von Oft nach
West die neue erbaut. Das Kriegerdenkmal, dem Bauplatz p
nahe stehend, wurde dem Hauptportal der neu zu erbauenden
Kirche gegenüber aufgerichtet, auch die Kaiser- und Friedens
eiche wurden verpflanzt. Letztere gingen leider ein, doch hat
das Denkmal eine würdige Ställe gefunden. Es verkündet
uns, wie auch in den Jahren 1866 und 1870 die Friedrichs
felder an den ruhmreichsten Schlachten, an denen bei Königgrätz,
Mars la tour und Gravelotte teil nahmen und ihr Leben einsetzten.
Anfangs Oklober
des Jahres 1887
wurde der Grundsteill
zur neuen Kirche ge
legt, am 18. Mai
1890 ist sie ein
geweiht worden. Sie
ist dreischiffig und
gewölbt, im Innen:
14,5 in breit, 23 m
lang und vom Fuß
boden bis zum Haupt-
gesims etwa 10 m
hoch.
Der Turm erhebt
sich bis zur Kugel
unter dem Kreuz
42 ru. Dem reinen
romanischen Stile
entsprechend ent
behren Kanzel und
Taufbecken aus
Sandstein, der ge-
mauerte, mit Eichen
holz bekleidete Altar,
auch die Orgel jed
weden Prunkes, und
doch stimmen sie den
Kirchenbesucher andächtig, da sie die Aufmerksamkeit nicht
ablenken.
Die Kirche bilde: ein Rechteck mit halbrundem Choranbau
int Osten und dem Turm im Westen. Im Choranbau be-
ftiideii sich die Altaniische, zwei seitliche Treppenaufgänge zu
den Emporen sowie die etwas kleine Sakristei. Seitlich des
Turmvorbaues liegen zwei Treppenthüren, gleichfalls Zugänge
zu den Emporen enthaltend.
Der Bau ist in roten Ziegelsteinen ausgeführt. Fünf
Custero-Strebepfeiler, in vier Absätzen sich bis zum Schiefer
dach verjüngend, stützen die Außenwände; zwischen ihnen liegen
in 4 Feldern die Fenster, je ein rundes oben, je zwei größere
rundbogige über dem Chor und je zwei ebensolche kleinere
unter dem Chor. Die weißen Scheiben derselben sind durch
blaue Borden eingerahmt. Die hölzernen Emporen ruhen
zwischen den Pfeilern und den Wänden auf gemauerten Kon
solen. Für die Erwärmung find vier große eiserne Röhren
öfen aufgestellt.
Die Orgel, mit 20 klingenden Registern versehen, lieferte
Poppe in Roda für den Preis von 6500 Mark. Die drei
Glocken, in 1, a und o abgestimmt, goß Collier in Zehlendorf.
„Kommt, es ist alles bereitet!" steht über dem inneren Haupt
portal geschrieben.
Außen und innen war die Kirche zur Feier der Einweihung
durch den Kirchenrat und Obergärtner des Schlosses, Herrn
Radecke, prächtig geschmückt worden: etwa 200 junge Fichten
umgaben sie, während innen die Altarnische im Maiengrün
prangte, lim 10\/ 2 Uhr bewegte sich die zahlreich erschienene
Gemeinde durch das Hauptportal in die 800 Personen fassende
Kirche, sie bis zum letzten Platz füllend. Als Patronats
vertreter war der Regierungs-Präsident von Potsdam, Herr
Graf Hue de Grais,
erschienen. Auch der
GeheimeRegierungs-
und Baurat v. Tiede-
mann und der Bau
leiter Herr Kreisbau-
Jnspektor Leithold,
wohnten der Feier
lichkeit bei. Den
Weiheakt vollzog der
General-Superinten
dent von Berlin, Herr
Propst Dr. Brückner.
Außer ihm und den
Pfarrern der Diözese
Berlin Landl, hatten
sich auch der Kon-
sistorial-Präsident
Dr. Hegel und ver
schiedene andere
Herren von Berlin
eingeftlnden.
Herr Probst Dr.
Brückner betonte in
seiner Ansprache, wie
die Gemeinde diese
Weihestunde seit 20
Jahren herbeige
sehnt. Die alte Kirche habe dem Bedürfnis und der Würde
nicht mehr entsprochen. Zwar sei die Litst reiner in den Vor
orten, als in Berlin selbst, auch sei mehr Licht dort vor
handen. Gleichwohl litten auch sie unter den geistlichen
Nöten der Großstadt. Diesen entgegenzuwirken, sei der neue
Bau bestimmt. In ihm hätten sich Kunst und Liebe vermählt.
Wohin er blicke, sehe er kostbare Gaben der Liebe: die Altar
bibel, das Taufbecken mit Decke, die Altar- und Kanzelbekleidung,
die drei Kronenleuchter, die drei buntgemalten Altarfenster und der
Altarteppich — alles hätten edle Frauen undJungfrauen gespendet.
Die Liturgie hielt Herr Superintendent Hosemann aus
Biesdorf ab. Herr Ortspsarrer Krumm behandelte in seiner
Predigt den Vers:
Zur alten Wahrheit neue Liebe,
Zum neuen Leben neue Triebe;
Ein neues Schwert zürn alten Kriege,
Im alten Kriege neue Siege.
Stnnnnstaus des Fürsten Kisrnnrck in Scstönstausien.
Aus „Iahnke, Fürst Bismarck. Sei» Leben und Wirken". Verlag von Paul Äiticl, Berlin IV. 57.