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18. Entdeckung

Full text: Die Entdeckung Berlins / Urban, Henry F. (Public Domain)

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Berliner Witwen und ihre Bälle. — Was 
für Witwen ich entdeckte, und wie sich der 
geborgte Ehemann mit dem 20-Mark=Stück 
benahm. — Die offene Bluse als Anzeige. 
— Die Witwe mit der Pleureuse und der 
maßlos zynische Kellner, — Warum Witwen 
immer frieren. 0009090000000 
18. 
Entdeckung 
Jede Weltstadt ist voll von Witwen. 
Ich habe sogar den Eindruck, daß 
keine Weltstadt davon voller ist als New York. 
Der New Yorker Ehemann hält es für seine schönste 
Pflicht, sich für seine Gattin so schnell wie möglich 
totzuarbeiten und ihr außer einer hohen Lebens- 
versicherung ein ansehnliches Vermögen zu hinter: 
lassen, damit ihre Witwenschaft recht fröhlich sei, 
oder damit sie recht bald einen zweiten Mann be: 
graben könne. Ich kannte eine New Yorkerin, für 
die sich drei Männer totgedollart hatten, und die 
ein glänzendes Geschäft dabei gemacht hatte. Der 
New Yorker Ehemann, oder allgemeiner der ameris 
kanische, steht nicht umsonst in dem Ruf, der 
galanteste Ehemann der Welt zu sein. Wenn man 
in New York ein weibliches Wesen trifft, das in 
tiefstem Schwarz seinen Schmerz um einen Ver- 
storbenen bekundet und dabei von einem Vergnügen 
zum anderen taumelt, so ist das die Witwe eines 
Totgedollarten. Trotzdem fällt sie im öffentlichen 
Leben wenig auf. Das ist in Berlin ganz anders. 
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