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Friedrichstadt und Bauspekulation

Full text: Alt-Berlin / Consentius, Ernst (Public Domain)

32 Aufstand der Gesellen. Mittel zum Zweck. 
Leib, und Leben bestraffet werden solten“. Des Königs Befehl achteten diese 
verwegenen Gesellen nicht. Also ward die Wache gerufen, um zwei von den 
Rädelsführern in Arrest zu bringen. Aber die Gesellen ließen ihre beiden 
Sprecher nicht. Sie alle wollten mit zur Wache kommen. Und die Wache 
ward „dergestalt insultiret“, daß sie das Bajonett aufstecken mußte, um sich 
die Gesellen vom Leibe zu halten, „wobey aber einige bey weiteren Ein— 
drängen hart verwundet“ wurden. Also, ein blutiger Tumult spielte sich 
auf dem Rathause ab, und die Herren vom Rat sahen sich „obligiret“, 
während des Gedränges „heimlich von Rathhause zu gehen“. Ihnen war 
ihr Leben zu lieb. Schließlich wurden die Gesellen überwältigt und „alle 
Pursche in Arrest genommen“. Der König sollte nun entscheiden, ob die 
beiden Führer, die am Aufstand die meiste Schuld, den Galgen verdienten. 
So ernst endete die stürmische Szene doch nicht. Ein paar Cage später, 
am 13. Mai 1738, sind „obgedachte Mauer⸗ und Zimmer-Gesellen ander⸗ 
weit zu Rathhause vernommen, und welche Arbeiten wollen loß gelaßen, 
die andern aber krum zusammen in denen Gefängnißen geschloßen worden“. 
eder wußte, daß Friedrich Wilhelm J. an großen Häusern Gefallen fand; 
und jederman war bekannt, daß der König auch sehr gnädig war, gab 
sich nur einer das Ansehen: er baue ganz freiwillig, um dem König aus 
eigenem Antriebe eine Freude zu machen. Die Gnade des Königs kannte 
dann keine Grenzen. Was ein baulustiger Spekulant von Friedrich Wilhelm J. 
erbat: den Adel, einen schönen Titel, ein Geschäftsprivileg oder sonst ein 
Vorrecht — der König gewährte es ihm. Der Bau eines großen Hauses 
war die beste Empfehlung und das sicherste Mittel, persönliche Ziele zu 
erreichen, die mit dem Hause nichts zu tun hatten. Nicht weil ein Haus nötig 
war, wurde es gebaut, sondern weil ein Geschäftsmann einen Vorteil über 
seine Konkurrenten von des Königs Gnade erhoffte; darum diente der 
Kaufmann der Leidenschaft Friedrich Wilhelms J. und baute. 
Der Sohn des Staats⸗Ministers von Görne wurde Vize⸗Präsident 
des Kammergerichts; „dafür derselbe auch ein Hauß zu bauen sich offeriret 
hat“. 
Ein Jude, der Offizieren Geld lieh und dabei merkte, daß die Schuldner 
die ausgestellten Wechsel nicht immer pünktlich bezahlten, wünschte sich 
ein Privileg: der Kommandant solle die schlechten Zahler „auf sein An—
	        
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