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Die Mode

Full text: Alt-Berlin / Consentius, Ernst (Public Domain)

Die Mode. 
— komme ich zu Ihnen. 
— Beste Freundin! Ich weis, Sie haben Mitleiden mit mir. Ich 
bin krank und seit sechs Tagen nicht aus dem Zimmer gekommen. Ich 
bin in den verdrüßlichsten Umständen. 
Mein empfindliches Herz kann dabey nicht gleichgültig bleiben. Ich 
bedaure Sie, liebste Freundin, aufrichtig. 
— Wie danke ich Ihnen, daß Sie mich besuchen. Sechs Cage ohne 
Schlaf! Die Welt ist mir schon gantz gleichgültig geworden. Ja, ich bin 
recht, sehr krank und die schlaflosen Nächte haben mich gantz häßlich gemacht. 
Ich habe meinen Schlafhabit nicht mehr ablegen können. 
Arme Freundin! Wie bedaure ich Sie! — Aber welch' herrlicher 
Schlafrock aus echtem Frantzösischen Damast! 
— Gefällt Ihnen der Stoff? 
Ein unvergleichlicher hellgrüner Damast, mit pfirsigblüth Taffent ge— 
futtert! Sie zeigen bey jeder Gelegenheit Ihren guten Geschmack. 
— Ihr gütiges Urtheil beweist Ihre Freundschaft. 
Sie wissen schon: Schönheiten pflegen im Möégligé noch reitzender 
zu seyn. 
— Haben Sie mich nur nicht in dem Verdacht der Eitelkeit, die ich 
Zeitlebens verabscheuen werde. Mir ist alles gleichgültig was Putz und 
Staat heißet. 
Aber alle Kenner werden von Ihrem Morgenhabite sagen, daß Sie 
gantz englisch darinne aussehn. 
— Sie werden mein Herz nicht zum Stolze verleiten. 
Und welche prächtige Nachthaube; die kostbarsten Spitzen; dentelles 
d'Alengon; mit grün und goldenem Bande artig umschlungen! Wieder 
ein Meisterstück, beneidete Freundin! 
— mit Vergnügen muß ich Ihr Urtheil hören.
	        
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