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Brot, Fleisch und Bier

Full text: Alt-Berlin / Consentius, Ernst (Public Domain)

488 Konsumtions⸗Akzise. Handlungs⸗Akzise. Nachschuß. 
Consumtion“ einbrachte, hatte den Vorzug vor dem Kaufmann; denn der 
Krämer mußte von sehr vielen Artikeln, die er weiter verkaufen wollte, 
noch die „Handlungs⸗Aceise“, eine Art Gewerbesteuer, neben der ge— 
wöhnlichen Akzise entrichten. Oder zur Akzise und Handlungsakzise trat 
der sogenannte „Nachschuß“ hinzu: 1,40/, vom Werte der Waren. Der 
Nachschuß wurde von „bereits völlig versteuerten Waaren, Frantz-⸗Brant⸗ 
wein, Victualien, und Kaufmanschaften“ gefordert, wenn diese Güter aus 
Städten der Kur⸗ und Neumark, aus Pommern, Preußen oder aus dem 
Hherzogtum Magdeburg nach der Hauptstadt eingeführt wurden. Dieser 
Verkehr war nicht erwünscht. Jede Stadt war ein Bezirk für sich. Das 
platte Land, das um die Stadt lag, sollte die Bedürfnisse der Bürger decken 
und den Fabrikanten, den Brauern und Branntweinbrennern das Roh⸗ 
material liefern. Fand in diesem engen Kreise ein Handel statt, so war 
das der Regierung am liebsten. Dieser Wunsch führte zur Besteuerung 
des Verkehrs der eigenen Städte untereinander. 
Die Stadtmauer war ein Hindernis für jeden freien Verkehr; und 
die Akzise selbst, wie sie erhoben wurde, war eine Belästigung für den 
Kaufmann so gut, als für den Bürger. In so und so viel Fällen wurde 
die Steuer nach dem Maß oder Gewicht, in so und so viel anderen Fällen 
nach dem Werte der Waren erhoben; und auch der Herkunftsort war 
durchaus nicht gleichgültig. Die Kaufleute mußten also den Steuerbeamten 
ihre Fakturen und Frachtbriefe vorlegen; sie mußten ihre Bezugsquellen 
preisgeben. Lästige Formalitäten und Schreibereien fingen in den Toren 
an und endeten erst auf dem Packhof oder in der „Post-Accise-Stube“; 
Formalitäten, die verhüten sollten, daß die Königliche Akzisekasse betrogen 
würde. 
Wer es eilig hatte, konnte bei dem komplizierten Akzisetarif und der 
übergroßen Umständlichkeit der Bedienten in Geduld sehr lange warten. 
Tausend große „Proppen zu Bouteillen“ wurden z. B. mit einem Groschen 
besteuert, tausend kleine mit sechs Pfennigen. Daß der Akzise nun nichts 
entginge, daß aber auch niemand zu viel zahle, war es das beste, die sämt— 
lichen Korken, Stück für Stück, zu zählen! So konnte der Akzisebetrag 
am sichersten ausgemittelt werden. Nur „wenn die Menge zu groß, daß 
sie nicht alle zu zählen, wird von jeder Sorte ein Tausend abgezählt, hernach 
gewogen, und das gantze quantum darnach überschlagen“. Bis aufs kleinste
	        
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