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Vom Weine

Full text: Alt-Berlin / Consentius, Ernst (Public Domain)

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Freienwalde a. d. Oder. 
und Seydschützer Bitter-Wasser nebst dessen Saltz, solches ist zu haben 
bey den privilegirten Apotheker, Hn. Christian Bernhard Jampert an der 
St. Petri-Kirche im gülden Löwen“. Wasser war gut; strenge Diät noch 
besser. Auch nach der Wasserkur mußte darum diese „Diæt noch eine gantze 
weile so gut oblerviret werden, als unter der Cur“. Das half nach dem 
Weine. 
Oder — verspürten die Freunde dieser Mineralwasser im ersten Früh⸗ 
jahr nach ihrer Kur doch noch keinen rechten Nutzen: Freienwalde an der 
Oder war nur sechs Meilen von Berlin entfernt und ließ sich erreichen. 
Wenn der Sommer kam, und es warm wurde, war's die richtige Zeit, 
das Freienwalder Sauerwasser an Ort und Stelle zu brauchen. Dieser 
Sauerbrunnen garantierte eine „vortrefliche Blutreinigung, sinte mahlen 
viele schon beym Trincken, es mag kalt oder warm seyn, über den gantzen 
Leib ausgeschlagen mit mercklicher Besserung“. 
Sachte ging der Kurgast aus dem Städtchen eine halbe Stunde lang den 
Brunnenweg hin zur Quelle, ohne sich zu erhitzen, daß der kalte Trunk 
nicht schade. Schon um 6 Uhr früh sollte er beim Brunnen sein. Mit drei 
oder vier Gläschen Sauerwasser fing er an; hernach stieg man auf zwei, 
drei, vier Quart; „ie mehr ie besser, wers verträgt, (ich weiß ihrer wohl 
die zu 6.8. Qbart getruncken, und ie mehr getruncken, ie mehr hats operiret 
bum Euphoria)“. Aber es war gut, wenn man von den ersten Gläsern, 
„sie in den warmen Händen haltende, die schärffste Kälte erst lässet ab— 
gehen“. Der Kurgast genoß im Tal den „plailirlichsten Prospect“ und machte 
sich dabei die „Motion, die zum Wasser-Trincken, um es wieder fort zu 
schaffen, erfordert wird“; d. h. er mußte „über den gantzen Leib recht 
warm werden, biß zum gelinden Dufft“ — mehr war vom UÜbel! Um 
Uhr wurde vorsichtig und diät zu Mittag gegessen. Sich etwa, mit Fischen 
und Krebsen zu divertiren“, war bei dem Sauerwasser gefährlich. Der 
erfahrene Brunnenarzt riet: „daß mann sich unter der Cur enthalte des 
Sauren, als des Salats, des Gesaltzenen und scharff gepeckelten, der harten 
Speisen. Des Schinckens und andern geräucherten Fleisches. Des Kohls, 
der Rüben, der Erbsen, der Zwiebeln, der Chammpignon und Morcheln, 
des Käses, der geräucherten und gepeckelten Fische. Der Gurcken, der 
Milch, und wann die Zeit kommt, des Obsts“. Auch ein Mittagsschläfchen 
war nicht rätlich! Der Brunnengast sollte in der schönen Landschaft von
	        
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