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Das Gesinde

Full text: Alt-Berlin / Consentius, Ernst (Public Domain)

Der Xakai. Gebildete Kammerdiener. 
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oder Frauenzimmer“; sie war „frantzösischs“ und konnte „nicht viel Teutsch, 
aber Holländisch“ — also kannte sie wohl nicht die Gesindeordnung, daß 
die Mäkler allein Stellen vermitteln sollten. 
Derartige Stellungsgesuche wurden im öffentlichen Anzeigenblatte 
gedruckt; d. h. die Beziehungen zwischen Herrschaft und Gesinde waren bei 
strengen Strafen genau geregelt; aber die einzelnen Vorschriften der Ord— 
nung wurden trotzdem nicht immer beachtet. 
En Cakai, wie ihn ein junger Kavalier damals brauchte, sollte von ehr— 
lichem Herkommen sein, „von guten Eltern“, und tüchtige Teltimonia 
über seine Treue und Konduite vorweisen können; das „Haupt-Requisitum“ 
blieb aber doch, daß er die „Haare perfect zu accommodiren, auch das 
Barbiren verstehen“ mußte. Darum konnte auch ein junger Schneidergesell, 
der sich gut aufs Perücken- und haarakkommodieren verstand, Lakai werden 
und eine herrschaftliche Livree mit Aufschlägen und blanken Unöpfen tragen, 
wenn er neben dem Frisieren, was das Wichtigste war, in der Aufwartung 
Bescheid wußte, seinen Herrn an⸗ und auszog, wenn er „Servietten brechen“ 
konnte, seidene Strümpfe wusch und willig war, den Läuferdienst zu ver— 
sehen. Der Lakai oder Uammerdiener sollte ein gesunder, junger und 
unbeweibter Mensch sein. Konnte er noch eine „gute orthographische und 
hurtige Hand“ schreiben und rechnen, so war es sein Vorteil, selbst wenn 
die Schrift nicht nach dem „neuesten Ductu mit geschleifften Zugwerck 
und Figuren“ war, wie sie die Schreibmeister lehrten; hatte er sich außer— 
dem von einem Franzosen, die alles am besten verstanden, einen Monat 
lang in der schweren KNunst unterweisen lassen, wie er „trenchiren muß, 
es sey worin es wolle“, so konnte er mehr, als gewöhnlich von ihm gefordert 
wurde. Er fand dann eine gute Kondition; denn vornehme Herren suchten 
ein solches Subjectum, das ihnen treu diente. Nicht immer wurde ver—⸗ 
langt, daß der Lakai auf einem adligen Gute auch die Orgel in der Kirche 
spielen müsse. 
Der Lakai, der um seinen Herrn war, begleitete ihn auch auf Reisen 
in fremde Länder. Und blieb er ein paar Jahre im Lande der Mode, in 
Frankreich, konnte er französisch sprechen und schreiben, war der Lakai 
des Französischen „perfect kundig“, dann war er zum Kammerdiener fast 
so brauchbar, wie ein geborner Franzose. Für große Reisen war es erwünscht,
	        
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